Libyen-Ticker EU will Bodentruppen ins Kriegsgebiet schicken

  • Publiziert: 18.04.2011, Aktualisiert: 20.01.2012

TRIPOLIS - Die EU-Staaten planen offenbar, bewaffnete Truppen nach Libyen zu schicken. Diese sollen humanitäre Operationen im Land beschützen. Noch fehlt allerdings das OK durch die Uno für solch einen Einsatz.

Aktueller Überblick

In der einzigen von Rebellen verteidigten westlibyschen Stadt dauern die Kämpfe trotz einer Vereinbarung der Regierung Muammar al-Gaddafis mit den Vereinten Nationen über humanitäre Hilfe an. Ein Einwohner Misratas berichtete, am Montag sei besonders das Stadtzentrum umkämpft gewesen.

Seit Donnerstag seien 16 Zivilpersonen getötet worden, sagte Rida al Montasser. Darunter seien acht Menschen, die vor einer Bäckerei für Brot anstanden.
Zivilisten im Visier

Der Oberbefehlshaber über den Nato-Militäreinsatz in Libyen, Generalleutnant Charles Bouchard, bestätigte, dass Gaddafis Truppen wahllos auf Zivilisten schiessen. Die Streitkräfte stünden auf den Dächern von Moscheen und feuerten von dort auf Menschen, sagte Bouchard am Montag dem kanadischen Fernsehen.

Sie versteckten sich in der Nähe von Spitälern und hätten gepanzerte Wagen in Schulden abgestellt. Manchmal zögen die Gaddafi- Verbündeten auch ihre Uniformen aus, damit niemand sie in der eingekesselten Rebellenbastion erkennen könne. Der Kanadier Bouchard kritisierte dieses Vorgehen als «unmoralisch» und «hinterhältig».

Gemäss HRW 267 Tote

Zugleich betonte er, dass er sich um die humanitäre Situation in der belagerten Stadt Misrata sorge. Die Einwohner litten, aber sie würden mehr leiden, wenn die Nato nicht eingegriffen hätte.

Nach Angaben der New Yorker Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wurden bei der inzwischen seit sieben Wochen andauernden Belagerung Misratas mindestens 267 Menschen getötet. Spitalärzte sprachen von bis zu 1000 Toten und 3000 Verletzten.

Die Vereinten Nationen hatten zuvor mitgeteilt, die Regierung Gaddafis habe zugesagt, humanitäre Hilfe in Misrata und anderen umkämpften Städten zuzulassen. Regierungssprecher Mussa Ibrahim sagte dazu in Tripolis, internationalen Regierungen werde der Zugang zu den Gebieten ermöglicht, die von Gaddafis Truppen kontrolliert werden.

Die UNO-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos sagte in Bengasi, sie habe keine Garantien bekommen, dass die Feindseligkeiten zur Versorgung der Bevölkerung eingestellt würden.

Flüchtlingsschiff aus Misrata

Derweil erreichte ein Schiff mit fast 1000 Flüchtlingen aus Misrata Bengasi. Das von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) gecharterte griechische Schiff kam am Montagabend in der Rebellenhochburg an, wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

An Bord befanden sich rund 970 Menschen, nach Angaben der IOM waren 90 Prozent davon ausländische Gastarbeiter. Rund 30 Verletzte wurden in das Spital von Bengasi gebracht. Es war das zweite von der IOM gecharterte Schiff in einer Woche, das Flüchtlinge von Misrata nach Bengasi brachte.

Am Montag brachte das Rote Kreuz zudem 618 afrikanische Gastarbeiter mit einem gecharterten Schiff nach Ägypten. Tausende afrikanische Gastarbeiter hatten in der drittgrössten libyschen Stadt Misrata gearbeitet.

Der internationale Militäreinsatz in Libyen

Der internationale Militäreinsatz wurde vor knapp einem Monat von den USA, Frankreich und Grossbritannien begonnen. Mit Luftschlägen sollten Truppen von Machthaber Muammar al- Gaddafi daran gehindert werden, auf die von Rebellen kontrollierten Städte vorzurücken. Seit 1. April wird die Militäraktion von 17 Staaten mit knapp 200 Flugzeugen und 18 Schiffen von der NATO geführt. Die Luftschläge der Verbündeten richten sich vor allem gegen Panzer und schwere Geschütze sowie gegen Radaranlagen und Treibstoff- und Munitionslager. Gaddafi hat auf diese Angriffe reagiert, indem er einen Teil seiner Panzer in die Städte verlegt hat. Sie stehen nahe von Schulen und Moscheen. Damit will er Angriffe verhindern, weil diese unweigerlich zu erheblichen zivilen Opfern führen würden. Allerdings bedeutet diese Taktik, dass die auf diese Art und Weise hinter «menschlichen Schutzschilden» versteckten Waffen auch von ihm nicht genutzt werden können. (SDA)

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Ausland

Wie lange wird Gaddafi noch durchhalten?»

  • 67,9% Der Mann ist ein skrupelloser Kämpfer. Er wird nicht so rasch fallen.
  • 18,4% Der Leidensdruck steigt rasch. Viele werden sich von Gaddafi abwenden.
  • 13,7% Versteckt er sich in einem Erdloch?