Pädophile Priester Leuthard liest Papst die Leviten

  • Publiziert: 06.05.2010

ROM – Bundespräsidentin Leuthard brachte Benedikt XVI. Schweizer Schoggi – und sprach wegen den Fällen von Kindsmissbrauch in der Kirche Klartext.

Bei ihrem Treffen mit Papst Benedikt XVI. hat Bundespräsidentin Doris Leuthard heute politisch brisante Themen wie die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche, das Minarett-Verbot in der Schweiz und die Debatten über einen Burka-Bann angesprochen.

«Der Papst nimmt das Problem der Missbrauchsfälle sehr ernst, er stellt sich dieser Angelegenheit und will nach dem im März veröffentlichten Pastoralbrief an die irischen Gläubigen weitere Akzente setzen. Er will kein Deckmantel des Schweigens über diese Fälle legen», sagte Leuthard nach dem 25 Minuten langen Gespräch in der Privatbibliothek des Papstes im Apostolischen Palast.

Priesteropfer haben Recht auf Verfahren

«Die Opfer haben Recht auf Hilfe und auf Justizverfahren. Die Täter sollen sanktioniert werden und man muss Wiederholungstaten vermeiden», erklärte Leuthard. Der Papst habe hervorgehoben, dass Jugendliche geschützt werden müssen, aber dass das Problem der Pädophilie nicht nur die Kirche, sondern die gesamte Gesellschaft betreffe.

Der Vorschlag einer Schwarzen Liste für Pädophile – wie sie zurzeit in der Schweiz diskutiert wird – habe sie mit dem Papst nicht thematisiert. Sie halte eine solche Liste jedoch für eine «prüfenswerte Idee».

«In der Schweiz haben wir eine harte Gesetzgebung, was Missbrauchsfälle betrifft. Ich halte es auch für richtig, dass die Verjährung bei diesen Verbrechen aufgehoben wurde, damit ein Opfer sich auch nach Jahren melden und anzeigen kann, dass ihm Unrecht zugefügt wurde», betonte die Bundespräsidentin.

Papst verlangt von Muslimen Toleranz

Nach dem Bauverbot für Minarette in der Schweiz und der Debatte in Europa über ein Burka-Verbot sprach Leuthard mit dem Papst auch über die Themen Islam und Religionsfreiheit.

«Der Papst hat ins Zentrum gerückt, dass Religionsfreiheit in Europa offen ausgeübt werden muss, dies sollte jedoch im Zeichen der Reziprozität erfolgen. Gleichheit und Toleranz gegenüber Christen in Islam-Staaten würden in unserer Gesellschaft die Akzeptanz erhöhen», erklärte die Bundespräsidentin.

Masslosigkeit in der Wirtschaft

Auch das Thema Ethik in der Wirtschafts- und Finanzwelt liege dem Papst besonders am Herzen. In der Gesellschaft spüre man eine gewisse Wut über die Tatsache, dass Masslosigkeit in der Wirtschaft zu dieser schweren Krise beigetragen habe.

Es sei wichtig, dass die Wirtschaft ethische Prinzipien nicht aus den Augen verliere. «Es ist schwierig eine Marktwirtschaft zu betreiben, wenn die Bürger daran nicht glauben, weil sie im Grunde denken, davon profitieren nur die Wenigsten», erklärte Leuthard.

Bücher und Schokolade als Geschenk

Am Ende des Treffens schenkte die Bundesrätin dem Papst zwei Bücher über das Kloster Sankt Gallen. «Das Kloster gehört zum Kulturgut der Schweiz und der ganzen Menschheit», sagte die Bundespräsidentin, die dem Papst auch eine Schachtel mit Schweizer Pralinen mitbrachte.

Benedikt XVI. sagte darauf, die Schokolade werde nicht lang überleben. Er revanchierte sich mit einer goldenen Münze seines Pontifikats.

Leuthard besuchte das Kirchenoberhaupt anlässlich der Vereidigung von Rekruten der Schweizergarde, die heute Nachmittag stattfinden soll. (SDA/hhs)

Top 3

1 Teufelskerl! Mann springt aus 731 Metern Höhe – ohne Fallschirmbullet
2 Auf Sardinien Schweizer (46) stürzt in den Todbullet
3 Private Firma kauft 14 Kampfjets «Wie Top-Gun, nur besser und globaler»bullet

Ausland