Angst Landen meine Spenden bei den Taliban?

PAKISTAN - Über 12 Millionen Spendengelder gehen nach Pakistan. Viele Schweizer fürchten sich vor der Korruption der Taliban. Ein Helfer vor Ort erklärt, warum die Angst unbegründet ist.

  • Publiziert: 19.08.2010, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Von Jessica Francis

13 Millionen hat die Schweiz gestern an Pakistan gespendet. Betroffen machten die Bilder von überfluteten Häusern, zerstörten Leben und weinenden Kindern. Die Meldungen von Krankheiten schockierten.

Finanzieren wir die Taliban?

Diese Bilder sieht der Schweizer Julien Matter seit vier Wochen täglich. Menschen, die tränenüberströmt in den Trümmern ihre Liebe suchen. Kinder, die unter den Strapazen der Überschwemmungen leiden. Väter, die verzweifelt in den Überresten ihrer Hauses nach etwas Kostbarem suchen. Seit vier Wochen ist der 31-Jährige in Pakistan – arbeitet als Koordinator für die «Ärzte ohne Grenzen».

Die Spendenbereitschaft der Schweizer wird auch kritisiert. Viele Fragen sich, wohin die Gelder fliessen, die einbezahlt wurden. Kommen sie wirklich bei den Opfern an? Oder finanzieren wir vielleicht sogar die Waffen der Taliban?

Auch Blick.ch-Leser Hans Kellermann ist misstrauisch: «Ich glaube keine Sekunde, dass das Geld bei den Opfern ankommt. Ich werde jedenfalls keinen Beitrag leisten, um die Kalaschnikows der Taliban zu finanzieren!»

Ohne Bodyguard unterwegs

Julien Matter beruhigt Bedenken wie diese: «Wir spüren nichts von der Präsenz der Taliban. Die Leute vertrauen uns, weil wir ihnen schon seit 23 Jahren helfen.» Er und seine Helfer sind immer ohne Sicherheitsleute unterwegs. Sie hatten noch nie Probleme.

Täglich gehen sie zu den Familien und geben dem Familienoberhaupt Jetons. Damit kann er Survival-Kits beziehen. Geschätzt werden Pfannen, Seile, Mückennetze und Decken. «Kinder müssen sich oft eine Decke teilen», sagt Matter. Fünf bekommt jede Familie – die meisten Familien haben aber mindestens vier Kinder.

Regenzeit geht weiter

Mit Julien Matter sind 1026 pakistanische Mitarbeiter und fast 100 internationale Mitarbeiter für Médecins Sans Frontières vor Ort. «Wir tun, was wir können – doch das Wetter erschwert uns die Arbeit.» Manche Regionen seien durch Schlammlawinen abgeschnitten.

Der Wasserpegel des Flusses Indur steigt immer wieder an In Pakistan hat der Monsun gerade erst begonnen.Immer mehr Menschen sind auf die Hilfe der internationalen Hilfsorganisationen angewiesen.

play Julien Matter, Helfer in Pakistan (ZVG)

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