Von wegen böser Wolf: Schafkiller Nr. 1 ist der Hund!

  • Publiziert: 28.09.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Jocelyn Rochat/«LE MATIN DIMANCHE»

Ein Bericht von Wildtier Schweiz bestätigt: Hunde reissen landesweit pro Jahr rund 2800 Schafe und 250 Geissen.

Die schockierenden Zahlen hat der Verein Wildtier Schweiz in einem Bericht festgehalten. Sie basieren auf einer Studie der Tessiner Wissenschaftlerin Chiara Solari. Wildtier Schweiz hat ihre Zahlen auf die ganze Schweiz hochgerechnet.

Im Jahr 2000 fragte Solari 412 Bauern und Viehzüchter, wie viele ihrer Schafe einem Hund zum Opfer gefallen seien. Resultat: Allein im Tessin töten Hunde jedes Jahr rund 200 Schafe und 80 Geissen. Dagegen ist selbst der böse Wolf brav wie ein Lamm: Er bringt es durchschnittlich auf gerade mal 70 gerissene Schafe, schweizweit.

Damit steht fest: Bello ist Schafkiller Nummer eins! Dennoch werden diese Zahlen in der Statistik des Bundes nicht erfasst. Schuld daran ist das Gesetz: Der Bund zahlt einem Bauern nur dann Geld für ein totes Schaf, wenn es von einem Wolf oder einem Luchs gerissen wurde. Diese Fälle werden dann auch statistisch erfasst. War ein Hund der Übeltäter, muss die Haftpflichtversicherung des Halters den Schaden übernehmen.

Es muss sich endlich etwas ändern, finden Experten. Für Patrick Durand, Direktor des welschen Umweltinstituts Ecotec Environnement, ist klar, wer schuld ist am mörderischen Treiben der Hunde: die Stadtbewohner. «Viele Städter führen ihre Hunde auf dem Land Gassi. Sie begreifen nicht, dass sie ihren Hund nicht einfach frei herumrennen lassen dürfen», klagt er. Aber selbst im bravsten Dackel schlummere noch das Raubtier.

In der Westschweiz setzen die Wildhüter primär auf Aufklärung. Uneinsichtige Hundehalter kommen mit einer Verwarnung davon. In der Deutschschweiz dürfen Jagdhüter einen wildernden Hund jedoch sofort abschiessen. So geschehen vor einigen Tagen im Walliser Binntal: Ein Jagdhüter erschoss dort drei Hunde, die eine Gruppe Schafe attackiert hatten. Laut Patrick Durand ein radikales, aber wirkungsvolles Vorgehen: «Abgeschossene Hunde werden nicht rückfällig und ihre Halter werden den neuen Hund in Zukunft bestimmt an der Leine führen.»

Übersetzung: Lorenz Honegger

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