Küstenwache zwingt ihn Schlepper muss sich Kinderleichen ansehen

Nach einem Flüchtlingsdrama mit drei ertrunkenen Kindern hat die griechische Küstenwache einen mutmasslichen türkischen Schleuser zum Betrachten der Kinderleichen gezwungen und damit eine Debatte ausgelöst.

Schlepper muss sich Kinderleichen ansehen

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Der Sender Sky News berichtete über das Drama, das sich bereits am Freitag vor der Küste von Samos ereignete und bei dem zwei zweijährige Jungen sowie ein vierjähriges Mädchen ums Leben kamen. Beamte der Küstenwache nahmen den 21-jährigen Türken Ak Oskart als mutmasslichen Schlepper fest und zwangen ihn, die Leichen der kleinen Kinder anzuschauen. «Schau hin», sollen sie geschrien haben. Ak Oskart musste sich wenige Meter vor den Leichensäcken hinknien. Als schliesslich ein Vater seinen zweijährigen Buben identifizierte, brach der junge Schlepper in Tränen aus.

Das Verhalten der Küstenwache sei «eindeutig unangemessen», erklärte Schifffahrtsminister Thodoris Dritsas am Montagabend. «Staatsdiener müssen einen kühlen Kopf bewahren und sich im Umgang mit jedem Festgenommenen wie Profis verhalten». Dies gelte auch dann, wenn der Festgehaltene «eines abscheulichen Verbrechens» beschuldigt werde. Bis zu einer Verurteilung gelte die Unschuldsvermutung.

Er sei gezwungen worden, das Boot zu steuern

Die Staatsanwaltschaft auf Samos muss nun entscheiden, ob sie gegen den festgenommenen Türken ein Verfahren wegen eines Tötungsdelikts einleitet. Ak Oskart sagte zu Sky News, er sei dazu gezwungen worden, das Flüchtlingsboot Richtung Griechenland zu steuern. Er habe nach Griechenland fahren wollen, um dort Arbeit zu finden.

Die Küstenwache hatte das sinkende Boot noch erreicht, um die Menschen zu retten – für die drei Kinder kam die Hilfe allerdings zu spät. Der Schlepper führte 12 Männer, fünf Frauen und sechs Kinder an Bord mit. Ak Oskart gab zu, noch nie ein Boot gesteuert zu haben und die dortige See nicht zu kennen – zudem war es Nacht.

Der griechische Präsident Prokopis Pavlopoulos warf den türkischen Hafenbehörden am Montag vor, die Schleuser zu unterstützen. In den vergangenen Monaten ereigneten sich in den griechischen Gewässern zahlreiche Dramen mit kenternden Flüchtlingsbooten. Im Falle einer Verurteilung müssen Schleuser in Griechenland mit langen Haftstrafen rechnen. (ct/SDA)

Publiziert am 19.01.2016 | Aktualisiert am 19.01.2016
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22 Kommentare
  • Kathia  Zumstein 19.01.2016
    All jene, welche sich so über den Mann aufregen und ihm amoralisches Tun vorwerfen, müssten sich konsequenterweise dafür einsetzen, dass eine Fähre die syrischen Flüchtlinge an der türkischen Küste abholt und diese sicher in einen europäischen Hafen bringt. Denn das Schlepperwesen funktioniert nur, weil es für die Flüchtlinge keine legalen Wege gibt, nach Europa zu kommen. Wie, wollen wir nicht? Also, dann müssen wir uns auch nicht als Gutmenschen aufspielen.
    • süleyman  kovanci 19.01.2016
      Eines von den geistreichsten kommentare die ich je gelesen haben.Applaus Fr. Zumstein !
    • Dracomir  Pires aus Bern
      20.01.2016
      Warum nicht gleich alle Moslems in Nordafrika zu Hause abholen und sicher in die Schweiz bringen, Kathia Zumstein?
  • Anna  Rusch 19.01.2016
    Er hätte die Kinder selber in den Sarg legen müssen, dass wäre ihm noch länger in Erinnerung geblieben! Doch die Hauptverantwortlichen sitzen in den Regierungen und auch die Rettungsboote sollten die Menschen in die Richtung wieder an Land bringen, von der sie gestartet sind, damit es immer weniger Nachahmer gibt und diese Toten!
  • Vanessa  Ewing aus Biel
    19.01.2016
    Wäre er nicht der dafür verantwortliche Schlepper, hätte er es sicher gesagt, vor allem noch vor laufender Kamera. Diesen Gangstern darf ruhig gezeigt werden, für was sie verantwortlich sind. Hoffentlich muss er so richtig schön büssen dafür. Was sind das nur für Menschen, haben die kein Gewissen? Was für Werte wurden ihnen vorgelebt?
  • Karin  Schwegler 19.01.2016
    Wie immer, Kriminelle werden mit Samthandschuhen behandelt. Es kann jemand bei der Tag gefilmt werden, 1000 Zeugen und sein Anwalt wird auf unschuldig plädieren. Und bis mal jemand verurteilt wird, bekommt er Luxushaft.
  • Andreas  Kaufmann 19.01.2016
    Wenn Rettungskräfte Leichen bergen und Väter ihre toten Kinder identifizieren müssen, dann kann es ja nicht so schlimm sein, wenn ein Schlepper dabei zusehen muss. Finde ich gut so, denn sonst hat er nichts gelernt.
    Ebenso sollten Autofahrer, die grobfahrlässig einen Unfall mit schwer Verletzten und Toten verursacht haben, die Opfer zwingend anschauen müsste. Rettern mutet man auch zu verstümmtlte Leichen zu bergen. Das ist auch keine Strafe, sondern Anschauungsunterricht!
    • Karen  Mind 19.01.2016
      In den Staaten müssen Jugendliche, nach einem selbst verschuldeten Autounfall einen Tag in der Notaufnahme mithelfen. Dito solche, die mit Alk am Steuer erwischt werden.