Kuba-Kenner Franco Cavalli (SP, 74) über Fidel Castro (†90) «Für viele Kubaner war er wie ein Vater»

HAVANNA/ASCONA TI - Für die Kubaner ist der Tod von Fidel Castro ein harter Schlag, sagt der Kuba-Kenner Franco Cavalli. Er sieht Fidel Castros Nichte Mariela als eine der möglichen neuen Führerfiguren in Kuba.

Fidel Castro ist tot: Darum war es für Kubaner wie ein Vater play

Alt Nationalrat Franco Cavalli (SP, 74) an der Beerdigung von Clown Dimitri am 23. Juli 2016.

Stefan Bohrer

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Der kubanische Revolutionsführer Fidel Castro (†90) ist gestorben – und obwohl er seine Macht formell schon vor Jahren an seinen Bruder Raul abgeben hat, ist sein Tod für die kubanische Bevölkerung von hoher Bedeutung. 

«Für viele war er wie ein Vater – für diese Menschen ist es, wie wenn ein Verwandter sterben würde», sagt der Arzt, ehemalige SP-Fraktionschef und Kuba-Kenner Franco Cavalli (74). 

Selbst für Gegner der Regierung sei er eine Identifikationsfigur: «Fidel bleibt ein Idol in Kuba.»

Fidel Castro ist tot: Darum war es für Kubaner wie ein Vater play
Der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter und seine Frau Rosalynn besuchten Castro im Jahr 2011. REUTERS/Alex Castro/Courtesy of Cubadebate/Handout

 

Eine Frau als Präsidentin? «Eine neue Revolution!»

Fidels Bruder Raúl hatte 2013 angekündigt, die Präsidentschaft 2018 abzugeben. Cavalli ist überzeugt, dass er dies tun wird. Als mögliche neue starke Figuren sieht er Rauls Stellvertreter Miguel Díaz-Canel, den früheren kubanischen Aussenminister Felipe Roque sowie Rauls Tochter Mariela Castro.

«Mariela ist sehr populär und progressiv», sagt er über die Pädagogin, die sich unter anderem für die Akzeptanz von Homo- und Transsexualität einsetzt. «Eine Frau als Präsidentin - das wäre eine neue Revolution in Kuba.»

Fidel Castro ist tot: Darum war es für Kubaner wie ein Vater play
Fidel Castros Nichte Mariela (Archivbild). AP/Franklin Reyes

 

Fidel hat Cavalli zwei Mal knapp verpasst

Bei seinen Reisen nach Kuba hat Cavalli, Vorstandsmitglied der Nonprofitorganisation mediCuba-Suisse und Präsident von mediCuba-Europa, Mariela und ihren Vater Raul mehrmals persönlich getroffen.

 

Zu einem Gespräch mit Fidel Castro selbst ist es indes nie gekommen. «Gleich zweimal musste ein Treffen mit ihm kurzfristig verschoben werden», sagt der Ex-Politiker. Weil Cavalli  jedoch in die Schweiz zurückfliegen musste, konnte er nicht länger in Kuba warten - und verpasste Fidel knapp. (bau/SDA)

Publiziert am 26.11.2016 | Aktualisiert am 28.11.2016

Kuba unter den Castros – ein Rückblick

1. Januar 1959: Kubas diktatorischer Präsident Fulgencio Batista flieht. Sieben Tage später feiern Fidel Castros Truppen den Einzug in die Hauptstadt Havanna.

16. Februar 1959: Castro erklärt sich zum Ministerpräsidenten Kubas.

17. Mai 1959: Castro unterzeichnet die Agrarreform, die den privaten Landbesitz der Bauern begrenzt und damit Grossgrundbesitzer enteignet.

Februar 1960: Kuba unterzeichnet ein erstes Handelsabkommen mit der Sowjetunion.

Juni 1960: Die ersten US-Unternehmen auf Kuba werden verstaatlicht.

15. April 1961: Castro verkündet den «sozialistischen Charakter» der Kubanischen Revolution. Zwei Tage später beginnt die Invasion der von den USA unterstützten Exilkubaner in der Schweinebucht, die innerhalb von 72 Stunden von den kubanischen Truppen niedergeschlagen wird.

7. Februar 1962: Die USA verhängen ein totales Embargo über den Handel mit Kuba.

Oktober 1962: Die «Kubakrise» als Konfrontation der Supermächte USA und Sowjetunion bringt die Welt an den Rand eines Atomkriegs.

3. Oktober 1965: Gründung der Kommunistische Partei Kubas. Fidel Castro wird erster Generalsekretär, sein Bruder Raúl Vize.

13. März 1968: Kubas Führung beschliesst die Verstaatlichung aller Einrichtungen, die sich noch in kubanischem Privatbesitz befinden.

1972: Kuba schliesst sich dem Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe, der internationalen Organisation sozialistischer Staaten an.

1976: Mit einer Verfassungsreform wird Fidel Castro gleichzeitig zum Regierungschef und Staatsoberhaupt Kubas.

1990: Angesichts des zerfallenden Ostblocks setzt Kuba ein wirtschaftliches Notfallprogramm auf.

August 1993: Reformen sollen die Wirtschaftskrise abschwächen. Unter anderem wird die Arbeit auf eigene Rechnung und der Besitz von Dollars als Zahlungsmittel erlaubt.

Juni 2004: Die USA verschärfen ihr Embargo.

31. Juli 2006: Fidel Castro gibt die Führung aus gesundheitlichen Gründen an seinen Bruder und Vize Raúl ab - zunächst nur vorläufig.

18. Februar 2008: Fidel Castro tritt endgültig ab, Raúl wird kurz darauf Staatsoberhaupt und Regierungschef.

Mai 2010: Raúl Castro startet einen Dialog mit der katholischen Kirche, in dessen Folge 124 politische Gefangene freikommen.

11. Juli 2010: Erstmals seit vier Jahren tritt Fidel Castro in Havanna wieder öffentlich auf.

Oktober 2010: Die Regierung erlaubt die Gründung von kleinen Privatgeschäften in rund 180 verschiedenen Berufen.

April 2011: Raúl Castro kündigt Wirtschaftsreformen an. Kubaner dürfen künftig kleine Geschäfte betreiben und Arbeitskräfte beschäftigen.

Oktober 2012: Die Regierung kündigt mehr Reisefreiheit an.

24. Februar 2013: Raúl Castro gibt zu Beginn seiner zweiten Amtszeit bekannt, dass er die Präsidentschaft 2018 abgeben wird.

17. Dezember 2014: Kuba und die USA verkünden die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen nach über 50 Jahren Unterbrechung. Die Vereinbarung zwischen Raúl Castro und US-Präsident Barack Obama wird weltweit als Meilenstein gefeiert.

22. März 2016: Als erster amtierender US-Präsident seit fast 90 Jahren besucht US-Präsident Barack Obama Kuba.

20. April 2016: Fidel Castro zeigt sich noch einmal auf dem Kongress der Kommunistischen Partei und sinniert über seinen eigenen Tod: «Wir alle kommen an die Reihe.»

13. August 2016: Fidel Castro wird 90 Jahre alt.

25. November 2016: Fidel Castro stirbt im Alter von 90 Jahren in Havanna.

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1 Kommentare
  • Ewald  Rindlisbacher aus Grayland
    27.11.2016
    Niemand sah den wie ein Vater. Castro war ein Diktator und die Leute waren verpflichtet den wie ein Vater zu akzeptieren.