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Verzweiflung Ein Georgier trauert in Gori um einen Verwandten, der bei einem Angriff der Russen getötet worden war. (Reuters)
1. Kommt es zur Krise Russland-USA?
In seiner ersten internationalen Krise will Russlands Präsident Dimitri Medwedew (42) bärenstark erscheinen. Noch immer wird der Jurist an seinem Vorgänger gemessen: Wladimir Putin (55). Aber der und nicht Medwedew flog am Samstag in die Krisenregion und drohte mit Vergeltung. Auch wenn er wollte, dürfte Medwedew den Krieg nicht beenden – es würde ihn das Gesicht kosten, den wertvollsten Besitz jedes Politikers. Auf der Gegenseite unterstützen die USA den georgischen Präsidenten Mikheil Saakashvili (40), stellen Militärberater und Soldaten zur Verfügung; dafür kämpfen dessen Truppen in Afghanistan und im Irak. Doch der jetzige Krieg führt kaum zum Kampf zwischen Moskau und Washington. Beide wissen: Das wäre der Dritte Weltkrieg.
2. Worum geht es in Georgien?
1991 erklärte Georgien seine Unabhängigkeit von Moskau. Daraufhin sagten sich Südossetien und Abchasien von Tiflis los; sie wollten unter Russlands Schutz bleiben. Ihre Unabhängigkeit wird von niemandem anerkannt. Aber Russland unterstützt sie politisch, finanziell und militärisch und hält so den Konflikt seit 17 Jahren am Leben.
3. Muss der Westen mit Georgien solidarisch sein?
Präsident Saakashvili will sein Land in die Nato führen. Dagegen ist vor allem die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (54): Fühlte sich Georgien angegriffen, könnte das Land den Bündnisfall erklären. Dann müsste die Allianz gegen Russland kämpfen. Doch Georgien ist von grosser geostrategischer Bedeutung. Durch das Land verläuft die einzige Öl- und Gaspipeline aus Zentralasien, die Russland nicht kontrolliert. Und: Georgien gilt als wichtiger Bündnispartner im Kampf gegen den islamistischen Terror. Daher erwartet das pro-westliche Regime in Tiflis praktische Solidarität von seinen Partnern in Europa und den USA.
4. Wird jetzt das Benzin teurer?
Russische Kampfjets sollen am Samstag die Pipeline und die Ölverladestation in der Hafenstadt Poti durch Bomben schwer beschädigt haben. In den kommenden Tagen dürften die Preise an den Zapfsäulen wieder nach oben gehen.
5. Was hat der Kosovo mit dem Kaukasus zu tun?
Moskau hat – anders als die USA und die Schweiz – die Unabhängigkeit des Kosovo nicht anerkannt, weil es Autonomiebewegungen im eigenen Land entmutigen wollte. Tschetschenien wurde mit zwei blutigen Kriegen zum Verbleib in der russischen Föderation gezwungen. Dass Moskau jetzt, gegen die eigene Doktrin, die abtrünnigen georgischen Provinzen unterstützt, beweist nur eins: Erlaubt ist, was Moskau nützt.
6. Sind Schweizer in Gefahr?
Von den insgesamt vier in Georgien stationierten Militärbeobachtern sind zwei im Urlaub. Die anderen sowie zwei Polizeiberater sind nach Angaben des Berner Aussenministeriums nicht in Gefahr und sollen bleiben, ebenso die ungefähr 40 in Georgien lebenden Schweizer Zivilisten und das Botschaftspersonal.