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Das auf der Weltbühne normalerweise unbedeutende Westschweizer Radio RSR hat die kolumbianischen Militärs ganz schön aufgescheucht, als es gestern berichtete, die Befreiung von Ingrid Betancourt sei nicht ohne hohes Lösegeld möglich gewesen (Blick.ch berichtete)
Das kolumbianische Verteidigungsministerium hat nun mit der Veröffentlichung einer Videoaufnahme von der Befreiungs-Aktion auf die Vorwürfe reagiert. Verteidigungsminister Juan Manuel Santos sagte gestern (Ortszeit), die Armee wolle beweisen, dass die ganze Aktion keine Inszenierung gewesen sei.
RSR hatte unter Berufung auf eine ungenannte «glaubhafte und in den vergangenen Jahren mehrfach erprobte» Quelle berichtet, FARC-Vertreter für die Befreiung der Geiseln rund 20 Mio. Dollar bekommen.
Santos wies den RSR-Bericht zurück. «Das wäre ja billig gewesen. Wir hatten den FARC schon 100 Millionen geboten, und sie haben das abgelehnt», sagte er.
Die kolumbianische Botschaft in der Schweiz schrieb in einem Communique in der Nacht auf heute, die Vorwürfe seien «ungerecht, ungerechtfertigt, und opportunistisch». Die Geiseln seien durch eine «beispiellose Operation» befreit worden, die in die Geschichte eingehen werde.
Zuvor hatten bereits die kolumbianische, die französische und die US-Regierung den Bericht dementiert. Auch Betancourt selbst wollte den Bericht nicht glauben. «Das, was ich miterlebt habe, kann keine Inszenierung gewesen sein», sagte sie.
Der Chef der RSR-Auslandsredaktion, Pierre Bavaud, sagte der Nachrichtenagentur AFP allerdings, die 20 Millionen seien nicht als Lösegeld an die FARC geflossen. Vielmehr sei das Geld verwendet worden, um zwei Bewacher der Geiseln zu bestechen.
Die Westschweizer Zeitung «Le Temps» doppelte heute. Gemäss einer Quelle, die sich in der Angelegenheit auskenne, seien den Entführern «mindestens fünf Millionen Dollar» bezahlt worden, damit sie sich mit ihren Geiseln stellten.
Auf den Videoaufnahmen ist zu sehen, wie vermeintliche Journalisten versuchen, die beiden später festgenommenen FARC-Kommandanten zu interviewen. Ausserdem werden die mit Plastikbändern gefesselten Geiseln, darunter auch Betancourt, gezeigt, wie sie zu einem wartenden weissen Helikopter geführt werden.
Eine weitere Szene zeigt die Ungläubigkeit, Überraschung und dann das Lachen der Geiseln, als ihnen in dem bereits fliegenden Helikopter eröffnet wird, dass sie gerade befreit worden sind. Betancourt weint vor Erleichterung und eine der kolumbianischen Geiseln schreit immer wieder: «Zehn Jahre Warten, zehn Jahre Warten».
Die Aufnahmen stammten von einem Kamerateam, das aus Mitgliedern der kolumbianischen Sicherheitsdienste zusammengesetzt gewesen sei, die sich als Journalisten ausgegeben hätten. «Wir haben die Zeit des Wartens genutzt, um (durch die falschen Journalisten) das Vertrauen der Rebellen» zu gewinnen, sagt Kolumbiens oberster Militär, General Mario Montoya. (SDA/hhs)