Nordkoreas Diktator ist eine Gefahr für die Welt Kim Jong Ils Bombengeschäft

  • Publiziert: 30.05.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Johannes von Dohnányi

Nordkorea lebt von Nahrungshilfe und dem Verkauf von Raketen und Atomtechnologie. Das Regime setzt dabei bewusst den Weltfrieden aufs Spiel.

Kim Jong Il (67) ist Präsident eines gescheiterten Staates. Seit Jahren schon kann das letzte stalinistische «Arbeiter- und Bauernparadies» seine Bevölkerung nur noch dank internationaler Lebensmittelhilfe ernähren. Die meisten Fabriken stehen still. Was die nordkoreanische Industrie produziert, ist auf den Weltmärkten unverkäuflich.

Doch eine Ausnahme gibt es: Das Sortiment nordkoreanischer Kurz- und Mittelstreckenraketen ist der Exportschlager der kommunistischen Diktatur. Auch das Know-how von Pjöngjangs Atomwissenschaftlern und deren Bomben sind international heiss begehrt. Bei Kim Jong Il kaufen vor allem jene ein, die in zivilisierten Ländern als «Schurkenstaaten» oder «gescheiterte Nationen» gelten.

Zum Beispiel Pakistan. Der Atomwissenschaftler Abdul Qa-deer Khan (74) und sein Team schafften es zwar, eine Atombombe zu bauen. An der Beschaffung von elektronischen Zündern und Blaupausen zur Miniaturisierung der Sprengsätze waren die Pakistaner aber jahrelang gescheitert. Diese Technologie ist nötig, damit die Bombe auf die Spitze einer Rakete passt. Die Nordkoreaner öffneten für Islamabad die entscheidenden Türen bei der chinesischen Armee. Dafür kaufte Pakistan dann in Nordkorea Raketen ein, die seither ständig weiterentwickelt werden und gegen den Erzfeind Indien gerichtet sind.

Zum Beispiel der Iran. Auch Teheran hat nordkoreanische Kurz- und Mittelstreckenraketen gekauft, deren Reichweite von den iranischen Spezialisten ständig vergrössert wird. Die notwendige Technologie besorgen verdeckte Einkäufer vor allem bei Unternehmen in Westeuropa. Die auf diesem Weg erzielten Verbesserungen werden dann – eine Hand wäscht die andere – postwendend an die nordkoreanischen Raketenbauer weitergegeben.

Bei der Entwicklung der iranischen Atombombe können die Koreaner allerdings nur begrenzt helfen. Wie Pakistan setzt auch der Iran auf die Uran-Anreicherung, um nuklearen Sprengstoff zu erzeugen. Pjöngjang nutzt stattdessen Plutonium aus den verbrauchten Brennelementen seines Reaktors in Yongbyon.

Auch der Iran hat seine Zünder und die Miniaturisierungspläne über die nordkoreanisch-pakistanische Schiene bekommen. Für die Iraner ist es dabei besonders praktisch, dass die so erhaltenen chinesischen Blaupausen ursprünglich aus der Sowjetunion stammen. Die miserable Bezahlung der hoch qualifizierten Wissenschaftler im postkommunistischen Russland hat eine ganze Reihe russischer Atomwaffenexperten in die Dienste der iranischen Bombenbauer getrieben.

Im Herbst 2007 zerstörte die israelische Luftwaffe bei einem Überraschungsangriff im Nachbarland Syrien einen Gebäudekomplex, der dem nordkoreanischen Atomreaktor von Yongbyon fast bis auf den Zentimeter entsprach. Nur Minuten vor dem Bombenangriff auf den syrischen Reaktor entführte eine israelische Kommandoeinheit mehrere nordkoreanische Wissenschaftler und Arbeiter. Kaum anderthalb Jahre später, behauptet der deutsche Nachrichtendienst BND, arbeitet ein neues nordkoreanisches Team an einem anderen Ort in Syrien wieder an einer Reaktorbaustelle.

Um das Risiko für seine Kunden gering zu halten, weicht das nordkoreanische Regime auf immer neue Transportrouten aus. Inzwischen werden nordkoreanische Waffensysteme an Syrien, den Iran und wohl auch über den Sudan an die libanesische Hisbollah geliefert.

Das Atomprogramm ist für das marode Regime Kim Jong Ils aber auch ein perfekter Schutz. Seit er vor drei Jahren die erste Bombe zünden liess, kann er sich vor militärischen Angriffen einigermassen sicher fühlen. Auch vom neuen US-Präsidenten Barack Obama glaubte der Diktator mit Bomben und Raketen direkte Verhandlungen mit seinem Regime erpressen zu können. Demnächst will er wieder eine Langstreckenrakete testen lassen.

Vielleicht hat sich der Nordkoreaner damit aber zum ersten Mal verzockt. Die USA würden einen Atomwaffenstaat Nordkorea nie akzeptieren, warnte US-Verteidigungsminister Robert Gates (65) am Samstag. «Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie Nordkorea sich die Möglichkeit schafft, Zerstörungen an jedem Ort Asiens – und bei uns – anzurichten.»

Der Erbe kennt die Schweiz

Präsident Kim Jong Il soll seinen jüngsten Sohn Kim Jong Un als Nachfolger designiert haben. Die Regelung des politischen Erbes in Pjöngjang war notwendig geworden, weil Vater Kim noch immer an den Folgen eines Schlaganfalls vom Sommer 2008 leidet. Als Beweis für die geplante Karriere wurde Kim Jong Un in die fast allmächtige Militärkommission befördert. Ende der 90er-Jahre ging der Diktatorenspross auf die Internationale Schule in Gümligen BE.

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