Keine Toten bei erneutem Beben

L'AQUILA (I) – Entgegen ersten Meldungen forderte das starke Nachbeben heute in der Region L'Aquila keine weiteren Todesopfer. Die fieberhafte Suche nach Überlebenden ging den ganzen Abend weiter.

  • Publiziert: 07.04.2009, Aktualisiert: 14.01.2012
play Rettungskräfte suchen immer noch nach vermissten Personen. (Keystone)

Mit Spürhunden und unterstützt von Freiwilligen haben tausende Rettungskräfte einen Tag nach dem schweren Erdbeben in den italienischen Abruzzen fieberhaft nach weiteren Überlebenden gesucht. Mit jeder Stunde verringerten sich die Chancen.

Bis heute haben die Helfer 150 Menschen lebend aus den Trümmern gerettet. Für mindestens 228 Menschen kam aber jede Hilfe zu spät. Bei dem Beben um die Regionalhauptstadt LAquila wurden etwa 1500 Menschen verletzt, 100 davon seien immer noch in einem kritischen Zustand, sagte Regierungschef Silvio Berlusconi an einer Medienkonferenz.

Unter den Geretteten war eine 98-Jährige, die am Morgen 30 Stunden nach dem Beben wohlbehalten geborgen wurde. Die alte Dame sagte, sie habe sich die Zeit mit Häkeln vertrieben, während sie auf Hilfe wartete, wie die Nachrichtenagentur ANSA meldete.

Die Suche in der von Wassermangel und Energie-Notstand betroffenen Region werde noch 48 Stunden fortgesetzt, «bis zur Gewissheit, niemanden mehr lebend bergen zu können», sagte Berlusconi.

Unterdessen wurde bekannt, dass weit weniger Menschen obdachlos geworden sind als bisher kommuniziert. Die Rettungskräfte vor Ort sprachen neu von 17000 Menschen. Die Stadtverwaltung hatte die Zahl zuvor mit 50000 angegeben, die Regierung hatte sie auf 70000 geschätzt.

«Fahren Sie ans Meer»

Für neue Panik sorgten heute mehrere Erdbeben. Am Abend erschütterte ein Beben der Stärke 5,3 erneut die Region – das Beben war fast so stark wie das erste und auch in Rom zu spüren. Weitere Tote gab es aber nicht zu beklagen.

Angesichts der neuen Beben warnte Berlusconi die Bewohner evakuierter Stadtteile vor einer Rückkehr. Er forderte die Obdachlosen auf, in die Hotels an der Adria-Küste zu ziehen, die der Zivilschutz zur Verfügung stellt. «Fahren Sie ans Meer über Ostern, gönnen Sie sich eine Ruhepause, die wir bezahlen werden», sagte Berlusconi.

In LAquila mussten Dutzende Überlebende bei eisigen Temperaturen in ihren Autos übernachten. Ein Betroffener klagte: «Wir haben noch nicht mal einen Kaffee gehabt, niemand kümmert sich um uns!» Ein junges Paar mit Säugling verbrachte bereits die zweite Nacht im Auto.

Andere Erdbebenopfer wurden in Kasernen, Stadien und Sporthallen untergebracht, viele suchten Unterkunft bei Freunden oder Verwandten. Berlusconi kündigte an, bis am Abend 20 Zeltlager zu errichten, die 14500 Menschen aufnehmen könnten.

Geologen schätzen, dass Millionen Häuser auf der Apennin-Halbinsel «otenziell einsturzgefährdet» sind. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf unterstrich die Notwendigkeit von katastrophensicheren Spitälern. (SDA/hhs)

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