Kaukasus-Krieg: Schon 1400 Tote

  • Publiziert: 08.08.2008, Aktualisiert: 03.01.2012
play Feuer frei: Georgien will die Südossetien zurückeroberen. (Reuters)

TIFLIS – Putin hat seine Drohung wahrgemacht: Die Truppen der Grossmacht Russland befinden sich schon auf fremdem Boden in Südossetien. Dort sind Hunderte Zivilisten getötet worden.

Die Armee der Supermacht Russland fällt über das Nachbarland Georgien oder zumindest über Südossetien her. Russische Panzer oder gepanzerte Fahrzeuge seien in Südossetien eingedrungen, erklärte der georgische Herrscher Saakaschwili. Russland hat die Entsendung seiner Soldaten bestätigt.

Damit ist zwischen dem kleinen Georgien und dem grossen Russland endgültig Krieg ausgebrochen. Die beiden Länder ringen um Südossetien: Schon seit einer Woche liefern sich in der abtrünnigen georgischen Provinz Russland nahestehende Separatisten und georgische Truppen schwere Gefechte.

Hunderte Zivilisten getötet?

Heute eröffnete Georgien nun eine Militäroffensive und kündigte die Generalmobilmachung an. Mit tödlicher Wirkung in der südossetischen Hauptstadt Zchinwali: Hunderte Zivilisten seien gefallen, berichtete der pro-russische Präsident von Südossetien. Auch 10 Soldaten der russischen Friedenstruppen sollen getötet worden sein.

Die Nachrichtenagentur Interfax zitierte den russischen Militär Marat Kulachmetow mit den Worten: «Als Ergebnis vieler Stunden Beschuss mit schweren Waffen ist die Stadt praktisch kaputt.» Es gab am Nachmittag widersprüchliche Berichte darüber, wer Zchinwali kontrollierte

Das georgische Militär hatte Freitag früh auch Kampfflugzeuge eingesetzt, um gegen südossetische Kämpfer vorzugehen. Dabei seien auch zwei russische Jets abgeschossen worden.

Ethnische Säuberungen?

Der russische Aussenminister Sergej Lawrow warf Georgien vor, im Zuge der georgischen Militäroffensive in Südossetien habe es «ethnische Säuberungen» gegeben. «Wir haben von ethnischen Säuberungen in Dörfern in Südossetien erfahren», sagte Lawrow

Wie «Spiegel Online» berichtet, sind derzeit Hunderte von Kämpfern aus Russland und Abchasien auf den Weg in die Krisenregion, um die Seperatisten zu unterstützen. «Die Zahl der Flüchtlinge wächst. Eine humanitäre Krise zeichnet sich ab», fügte er hinzu.

«Militäroffensive von grossem Ausmass»

Der georgische Präsident Saakaschwili begründet sein Vorgehen mit der «Herstellung der konstitutionellen Ordnung», wie «Spiegel Online» berichtet. In einer TV-Ansprache sagte Saakaschwili, sein Land stehe einer «Militäroffensive von grossem Ausmass gegenüber».

Dafür hat Putin nun tatsächlich gesorgt. Zusammen mit Staatspräsident Medwedew hat er den Befehl zum Einmarsch gegeben, um «russische Bürger zu schützen». Die meisten Einwohner Südossetiens haben einen russischen Pass.

«Wir werden den Tod unserer Landsleute nicht ungesühnt lassen. Die Schuldigen werden gebührend bestraft», sagte Medwedew. Medien hatten von vielen Toten und Verletzten in der Region berichtet.

Inzwischen befasste sich auch der Uno-Sicherheitsrat mit der Krise. Auf eine gemeinsame Linie konnten sie die Delegationen in New York jedoch nicht einigen. (gux)

Blutige Kämpfe

Bei den Kämpfen in Südossetien sind nach Angaben der Behörden der abtrünnigen Kaukasusrepublik etwa 1400 Menschen getötet worden. Diese Zahl nannte am Abend der Präsident des nach Unabhängigkeit von Georgien strebenden Gebietes, Eduard Kokojty, wie die russische Agentur Interfax meldete.

Schweizer Beobachter in Sicherheit

In Georgien sind vier Schweizer Militärbeobachter und zwei Polizeiberater aus der Schweiz stationiert. Von der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Georgien und der abtrünnigen Region Südossetien sind sie aber vorderhand nicht betroffen.

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