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Karadzic arbeitete in einer Privatklinik als Spezialist für Alternativmedizin, teilte der serbische Minister für die Zusammenarbeit mit dem UNO-Tribunal, Rasim Ljajic, heute mit. Er zeigte ein Foto, auf dem ein dünner Mann mit langen Haaren, einem weissen Bart und Brille zu sehen ist.
Karadzic soll im modernen Stadtbezirk Neu-Belgrad mit falschen Dokumenten unter dem Namen Dragan Dabic gelebt haben. Nicht mal seine in Bosnien-Herzegowina lebende Frau wusste angeblich davon.
Der Ankläger des serbischen Kriegsverbrechertribunals, Vladimir Vukcevic, sagte, der 63-Jährige sei «glücklich und frei in der Stadt umhergelaufen». «Selbst den Vermietern seiner Wohnung war seine wahre Identität nicht bewusst.»
Von der Regierung gedeckt
Laut UNO-Tribunal wurde Karadzic von Helfershelfern in Armee, Politik und Geheimdienst gedeckt. Die in diesem Jahr gestürzte nationalkonservative Regierung soll eine Verhaftung verhindert haben.
Die seit zwei Wochen amtierende Nachfolgeregierung unter Führung pro-europäischer Parteien hatte dagegen die Überstellung Karadzics an das UNO-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag versprochen.
Bald nach Den Haag überstellt
Karadzic zählt zusammen mit dem immer noch flüchtigen früheren General Ratko Mladic zu den meistgesuchten mutmasslichen Kriegsverbrechern des Balkankonflikts. Er ist wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Bosnienkrieg von 1992 bis 1995 angeklagt.
Karadzic gilt als Hauptverantwortlicher für das Massaker von Srebrenica, bei dem 1995 rund 8000 Muslime umgebracht worden waren. Ausserdem muss er sich für die 43-monatige Belagerung von Sarajevo verantworten, bei der 10000 Zivilisten starben.
In der Nacht auf heute wurde Karadzic bereits von einem Untersuchungsrichter vernommen. Er bezeichnete seine Verhaftung nach Angaben seines Anwalts als «Farce». Dieser kündigte Einspruch gegen eine Überstellung nach Den Haag an.
Erster Schritt Richtung EU
Die EU zeigte sich erfreut. Sie sprach von einer «wichtigen Etappe» auf dem Weg zu einer weiteren Annäherung Serbiens an die EU. Die Festnahme von mutmasslichen Kriegsverbrechern gilt als eine Voraussetzung für eine Aufnahme.
UNO-Chefankläger Serge Brammertz begrüsste die Festnahme Karadzics als «Meilenstein», UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von einem «historischen Augenblick». Auch die NATO äusserte sich erfreut.
Del Ponte schweigt
Keine Stellung nahm die ehemalige Chefanklägerin des UNO- Kriegsverbrechertribunals, Carla Del Ponte, die Karadzic acht Jahre lang unermüdlich gejagt hatte. Das Eidg. Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) liess verlauten, es sei «nicht sinnvoll, wenn sich die ehemalige Chefanklägerin parallel zu ihrem Nachfolger äussert». (SDA/hhs)