Arabische Liga unterstützt Gaddafi Kann ich jetzt noch nach Ägypten in die Ferien?

  • Publiziert: 05.03.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Gabriel Brönnimann, Henry Habegger und Marcel Speiser
play In Tripolis gabs gestern wieder eine Kundgebung. Die Demonstranten riefen zum Heiligen Krieg gegen die Schweiz auf. (Keystone)

Gaddafi ruft den Heiligen Krieg aus. 17 arabische Staaten solidarisieren sich mit Libyen. Sind Ferien in diesen Ländern noch sicher?

Länder wie Ägypten, Tunesien, Marokko und Jordanien sind hierzulande sehr beliebt. Alleine nach Ägypten verreisen jährlich rund 150 000 Schweizer. Auf der Suche nach Sonne, aus Interesse an der Kultur!

Diese vier Länder gehören zu den 17 Staaten der Arabischen Liga, die den irren Muammar al-Gaddafi in seinem Kampf gegen die Schweiz unterstützen! Zuletzt hat Gaddafi zum totalen Wirtschafts-Boykott aufgerufen.

Gaddafi ist unberechenbar

Sind Schweizer Touristen in diesen Ländern also noch willkommen? Soll man überhaupt noch hinfliegen? Für SVP-Ständerat Hannes Germann (SH), Vizepräsident der Aussenpolitischen Kommission, ist klar: «Ich würde derzeit in keines der Länder reisen, die Stimmung gegen die Schweiz machen. Ich will denen nicht noch Devisen bringen. Man sollte diese Länder kategorisch meiden.»

Germanns Parteikollege Luzi Stamm (AG) drückt sich um eine Antwort: «Gaddafi ist so unberechenbar, dass ich dazu keine Aussage machen kann.» Aber: «Gegen ein Land, das einem anderen den Heiligen Krieg erklärt, muss die Uno sofort Sanktionen verhängen.»

«Wir freuen uns über alle Schweizer»

Sind Reisen in Länder der Arabischen Liga jetzt problematisch? Das EDA antwortet sehr diplomatisch: «Den Schweizern wird empfohlen, vor und während einer Reise die Reiseempfehlungen des EDAs regelmässig zu konsultieren und diese auch zu befolgen.»

Die Botschaften von Marokko und Tunesien in Bern sahen sich gestern ausserstande, auf die Frage zu antworten, ob Schweizer Gäste noch erwünscht sind. Eine Sprecherin der Ägyptischen Botschaft erklärt: «Es besteht nicht die geringste Gefahr für Schweizer Bürger in Ägypten. Wir freuen uns über alle Schweizer, die unser Land besuchen.» Die ägyptische Wirtschaft hängt besonders stark vom Tourismus ab.

Noch keine Stornierungen

Salah Suheimat von der Jordanischen Botschaft betont: «Schweizer haben bei uns absolut nichts zu befürchten. Die Entscheidung der Arabischen Liga wird daran rein gar nichts ändern. Und da geht es um eine ganz andere Sache.» Die «ganz andere Sache» war, dass die Arabische Liga es für «rassistisch» hält, dass die Schweiz 150 ranghohe Libyer nicht mehr in den Schengen-Raum einreisen lässt.

Noch gibt es bei den Reisebüros keine Stornierungen, die Veranstalter sind aber sensibilisiert. Laut Valentin Handschin, M-Travel Schweiz, haben die lokalen Vertreter vor Ort festgestellt: «Es wird niemand bei der Einreise oder während des Aufenthalts schikaniert.»

Roland Schmid, Tui Suisse, weist darauf hin, dass es bei Reisen in islamische Länder immer angebracht ist, sich diskret und zurückhaltend zu verhalten.
Diskret und zurückhaltend, anders eben als Hannibal Gadaddfi vor seiner Festnahme im Sommer 2008 in Genf.

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