Kampusch will den Opfern helfen

  • Aktualisiert am 02.01.2012

AMSTETTEN – Sie weiss, was Elisabeth F.* und ihre drei Kinder im Horror-Keller von Josef F. durchgemacht haben: Entführungsopfer Natascha Kampusch will die Opfer unterstützen, mit Geld und Gesprächen.

Natascha Kampusch (20) hat Ähnliches durchgemacht wie die erst jetzt befreite Elisabeth F. (42): Auch sie litt als kleines Mädchen jahrelang im Keller und Haus von Entführer Wolfgang Priklopil, auch sie dürfte von diesem sexuell genötigt worden sein, auch sie musste Unsagbares durchstehen.

Der Wunsch, der Familie und vor allem Elisabeth zu helfen, sei spontan entstanden. «Allerdings hatte ich schon in den letzten Wochen irgendwie das Bedürfnis, mehr für Vermisste und verschwundene Menschen zu tun und für Missbrauchsopfer», sagte Kampusch heute gegenüber dem ORF-Radio.

Gespräche und Geld

Was will Kampusch nun also tun? Sie könne sich vorstellen, zur Ansprechspartnerin der Amstetter Familie zu werden. Zuerst müsse sie sich aber noch viel besser über den Fall informieren. Dazu will Kampusch aber auch finanzielle Hilfe leisten, und zwar der gesamten Familie F. Dies sollen die nach ihrer eigenen Flucht gesammelten Spendengelder möglich machen. Investieren will Kampusch das Geld offenbar bei der Ausbildung der Kindern und der Reintegration der Familie.

Kampusch kritisierte aber auch den weltweiten Medienrummel rund um den Inzestfall in Amstetten. «Zum einen mache ich mir momentan eben Gedanken um die Familie – weil dieser Medienrummel, das ist sicherlich nicht gut für die Menschen». Denn das Interesse von Aussen erschwere es den Opfern letztlich, sich zu Recht zu finden. Kampusch muss es wissen. Immerhin gabs auch bei ihrer Befreiung aus der achtjährigen Gefangenschaft einen beispiellosen medialen Rummel.

Fall «grundsätzlich gelöst»

Josef F. hatte seine Tochter Elisabeth über 24 Jahre lang im Kellerverlies seines Hauses gefangen gehalten und sie mehrfach geschwängert (Blick.ch berichtete). Die junge Frau vegetierte mit drei Kindern im Keller, während drei weitere Inzest-Kinder als Pflegekinder beim Grossvater und seiner Frau wohnten.

Über das Schicksal der Mutter liess Josef F. die Kinder im Ungewissen. Sie lebe in einer Sekte und habe sie deswegen bei ihren Eltern abgegeben. Mit dieser Erklärung täuschte Josef F. jahrelang seine Familie und die Behörden. Heute hat der 73-Jährige gestanden. Der schreckliche Fall sei «grundsätzlich gelöst», teilte die österreichische Polizei heute mit. (gux)

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