Kampusch begrüsst neue Ermittlungen

  • Publiziert: 24.10.2008, Aktualisiert: 03.01.2012

WIEN – Der Fall Natascha Kampusch wird teilweise neu aufgerollt. Das freut das heute 20-jährige Entführungsopfer und ihre Eltern.

Natascha Kampusch begrüsst die neuen Ermittlungen in ihrem Entführungsfall. Die österreichische Justiz will Hinweisen nachgehen, wonach Kampuschs Entführer Wolfgang Priklopil kein Einzeltäter gewesen sei (Blick.ch berichtete).

Die Wiederaufnahme ihres Falles müsse aber auch dazu genutzt werden, die Ursachen des Versagens der Ermittlungsbehörden zu beleuchten, forderte Kampusch heute. Schon kurz nach ihrer Entführung habe es konkrete Informationen über Priklopil gegeben.

«Diesen Hinweisen wurde aber meines Erachtens nicht mit der gebotenen Professionalität nachgegangen», kritisierte Kampusch. Im Übrigen dürfe es «nicht sein, dass mögliche weitere Täter, von denen ich keine Kenntnis habe, ungestraft bleiben».

Auch Kampuschs Eltern Ludwig Koch und Brigitte Sirny reagierten positiv: Kampuschs Vater sagte, er hoffe, dass nun «endgültig restlose Klarheit» geschaffen werde – darauf arbeite er seit Jahren hin.

Mädchen sah zwei Täter

Hintergrund der Wiederaufnahme der Ermittlungen ist nach Angaben der Zeitung «Die Presse» die Aussage einer zwölfjährigen Zeugin, die die Entführung im März 1998 beobachtete und danach stets von zwei Tätern berichtete.

Dies sei erst kürzlich von einer Untersuchungskommission festgestellt worden, die wegen möglicher Versäumnisse des österreichischen Innenministeriums im Fall Kampusch ermittelte. Das Blatt berichtete, die neuen Ermittlungen könnten voraussichtlich Ende kommender Woche starten.

Gibt es weitere Opfer?

Dem Justizministerium zufolge steht indes noch nicht fest, wann der Fall wieder gezielt aufgerollt wird. Es sollten nur bestimmte Punkte nochmals untersucht werden, sagte Justizministerin Maria Berger.

Die «wichtigste Motivation» für die Wiederaufnahme sei die immer wieder auftauchende Theorie von möglichen Mittätern. «Das könnte ja auch bedeuten, dass es weitere potenzielle Opfer gibt», sagte die Ministerin. (SDA/dip)

Der Fall Kampusch

Natascha Kampusch wurde mit zehn Jahren auf dem Schulweg in Wien entführt. Nach achteinhalb Jahren Gefangenschaft konnte sie im August 2006 aus dem Kellerversteck im Hause Priklopils fliehen. Ihr Peiniger nahm sich daraufhin das Leben. Das österreichische Parlament setzte später die Untersuchungs- Kommission zu Ermittlungspannen in dem Fall ein.

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