Richter befangen? Kachelmann-Prozess vertagt

  • Aktualisiert am 20.01.2012

MANNHEIM - Wettermoderator Jörg Kachelmann steht seit heute vor Gericht. Der Vorwurf: Vergewaltigung. Doch kaum hat der Prozess begonnen, wurde er schon wieder vertagt.

Der Schweizer Wettermoderator Jörg Kachelmann (52) muss sich ab heute wegen angeblicher Vergewaltigung seiner Ex-Freundin Petra (37)* vor Gericht verantworten. Der Prozess begann um 9 Uhr. Erstes Traktandum: Die Befragung des Angeklagten. Danach sollte Kachelmann zu den Vorwürfen Stellung nehmen.

Vorsitzender soll Vater der Klägerin kennen

Doch nicht einmal dazu ist es gekommen: Da der Gerichtsvorsitzende Michael Seidling angeblich den Vater von Kachelmanns Ex kennt, hat Verteidiger Reinhard Birkenstock gegen Seidling und eine weitere Richterin bereits im Vorfeld schriftlich einen über 67 Seiten umfassenden Befangenheitsantrag gestellt.

So wurde der Prozess bereits nach rund fünf Minuten unterbrochen, der Angeklagte verschwand umgehend aus dem Gerichtssaal.

Ein Ersatz-Vorsitzender hat sich bereits in den Fall eingearbeitet, falls Seidling tatsächlich wegen Befangenheit ersetzt werden muss. Das Gericht hat nun bis zum nächsten Prozesstermin am nächsten Montag Zeit, um über die Befangenheitsanträge der Verteidigung zu entscheiden.

Ex-Freundin wird erst im Oktober vernommen

Die Ex-Freundin von Kachelmann, die den Prozess ins Rollen brachte, wird erst am 13. Oktober vernommen. Sie wirft dem Wettermorderator vor, er habe sie in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar vergewaltigt. Petra wollte sich laut Anklage nach zwölf Jahren von Kachelmann trennen.

Die Ex-Geliebte von Kachelmann sass heute im Gerichtssaal. Neben ihr waren mehrere weitere Frauen, mit denen der Wetter-Experte ein Verhältnis pflegte, als Zeuginnen zugegen.

Prominente im Saal

Am Landgericht Mannheim fanden sich heute auch mehrere Prominente ein. So etwa die Feministin erster Stunde, Alice Schwarzer: «Wir alle können nicht wissen, was in der Nacht passiert ist. Ich bin an der Wahrheit interessiert.»

Oder die Ex-Sängerin der Casting-Band Brosis, Indira: «Das ist die grosse Kachelmann-Show», sagte sie laut «Bild.de». Sogar TV-Komiker Oliver Pocher gab sich die Ehre in Mannheim.

Wettermoderator Kachelmann bestreitet alle Vorwürfe: «Ich bin unschuldig», rief er Ende März den Reportern zu, als ein Haftrichter seine Freilassung aus der U-Haft beim ersten Haftprüfungstermin ablehnte. Kachelmann sass insgesamt vier Monate im Knast, bis er Ende Juli schliesslich entlassen wurde.

Der Schweizer wirkte heute vor Gericht gepflegt und trug einen grauen Anzug. Er machte einen gefassten Eindruck, liess sich keine Emotionen anmerken.

Grosse Sicherheitsvorkehrungen


Aufgrund der Prominenz des Angeklagten besteht ein immenses öffentliches Interesse am Prozess. Es gab erhöhte Sicherheitsvorkehrungen: Wer den Gerichtssaal betreten wollte, wurde wie am Flughafen durchleuchtet und abgetastet.

Die in grosser Zahl anwesenden Journalilsten durften weder Handys noch Computer in den Saal nehmen. Nur ausgewählte TV-Stationen hatten eine Erlaubnis zum Filmen.

Bei einer Verurteilung drohen Kachelmann mindestens fünf Jahre Gefängnis. Das Urteil wird am 27. Oktober erwartet. (noo/bbx)

*Name der Redaktion bekannt

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