Vergewaltigung unter Waffengewalt Kachelmann drohen mindestens 5 Jahre Knast

  • Publiziert: 27.03.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Christian Maurer
play Tatort: Petra bewohnt eine schmucke Dachwohnung (oberer Balkon). (Karl-Heinz Hug)

Wenn es stimmt, was im Polizeiprotokoll steht, dann bleibt Jörg Kachelmann ein paar Jahre da, wo er jetzt ist: hinter Stacheldraht und Gittern.

Immer, wenn der Schweizer Jörg Kachelmann (51) vom Rhein-Main-Flughafen Frankfurt auf Dienstreise ging, verbrachte er die Nacht vor dem Abflug bei seiner langjährigen Freundin Petra* in Schwetzingen (D). So auch Anfang Februar, bevor er als Wetterexperte mit dem ARD-Team an die Olympischen Spiele nach Vancouver flog.

Doch an diesem Abschiedsabend gab es kein romantisches Tête-à-Tête: Die blonde Radiomoderatorin hatte benutzte Flugtickets gefunden – von einer Reise Kachelmanns mit einer anderen Frau! Nun wollte sie den Mann zur Rede stellen, von dem sie elf Jahre lang geglaubt hatte, er sei ihr Freund, ihr treuer Lebensgefährte.

Kachelmanns jahrelanges Doppelleben war aufgeflogen. Als Petra ihm die verräterischen Flugscheine unter die Nase hielt, rastete der prominente Wetterfrosch aus, wie die 37-Jährige später bei der Polizei aussagte. Auszüge des Vernehmungsprotokolls machte jetzt das deutsche Nachrichtenmagazin «Focus» publik – Informationen, die schockieren:

Kachelmann habe ein Messer aus der Küche geholt, sie ins Schlafzimmer gezerrt und dort vergewaltigt, sagte Petra aus. Während der Tat habe er ihr das Messer an die Kehle gesetzt und sie am Hals verletzt. Für all das soll es Beweise geben: Der Gerichtsmediziner habe neben blauen Flecken auch Schnittverletzungen am Hals nachgewiesen.

Nach dem mit Waffengewalt erzwungenen Sex habe Kachelmann sie nochmals bedroht und mit vorgehaltenem Messer verlangt, keine Anzeige bei der Polizei zu machen. Dann packte er seinen Koffer, verliess Petras Dachwohnung und verbrachte den Rest der Nacht in einem Hotel. Am folgenden Tag flog er unbehelligt nach Kanada. Und liess nichts mehr von sich hören.

Petra war am Boden zerstört. Sie suchte Hilfe bei ihren Eltern, die im Haus gegenüber wohnen. Oft war sie dort mit Kachelmann zu Gast, an Familien- und anderen Festen. Die Eltern mussten den TV-Star aus der Schweiz für den Freund ihrer Tochter halten – schliesslich war nie die Rede von einer anderen Frau. Im Gegenteil, stets meldete sich Kachelmann von seinen Reisen bei Petra, rief an, schickte SMS oder Mails.

Alles Lug und Trug! Noch in der Nacht des Schreckens ging Petra zur Polizei, erstattete Anzeige, liess sich gerichtsmedizinisch untersuchen. Die Ermittlungen bestätigen offenbar die überprüfbaren Aussagen Petras. Die Polizei hatte viel Zeit, alle Vorwürfe sorgfältig zu untersuchen. Der Wettermann blieb nach seinem Olympia-Einsatz mehrere Wochen in Kanada – wo seine Ex-Frau Denise W.** und seine beiden Söhne (11 und 7) leben. Erst im vergangenen Herbst hatte sich das Paar scheiden lassen, blieb aber in Kontakt.

Die Polizisten des Sonderkommissariats am Frankfurter Flughafen bekamen Wind davon, dass Kachelmann einen Tag früher als geplant landen würde. Sie mussten ihn fassen, und zwar so unauffällig wie möglich – nicht ganz einfach, wenn der Verdächtige ein bekannter TV-Moderator ist. Zudem mussten die Beamten befürchten, dass sich der Schweizer in die Heimat absetzen könnte. Damit wäre er für die deutschen Strafbehörden nicht mehr greifbar gewesen. Wie alle anderen Länder liefert die Schweiz keine eigenen Bürger aus.

Kachelmann bezeichnet die Vorwürfe als frei erfunden. Sie seien der Racheakt einer Frau, die eine Beziehung habe retten wollen, die es in dieser Art nie gegeben habe, soll er in einer dreistündigen Einvernahme am vergangen Mittwoch gesagt haben. Doch zu einem DNA-Test, in Vergewaltigungsverfahren üblich, musste ihn der Richter zwingen. Einen freiwilligen Test hatte er verweigert. «Ich bin unschuldig», rief er den Journalisten zu, bevor er vom Gericht wieder ins Gefängnis gebracht wurde.

Dort könnte er noch eine Weile bleiben: Weil eine Waffe im Spiel war, drohen ihm im Falle einer Verurteilung mindestens fünf Jahre Haft.  

*Name von der Redaktion geändert
**Name der Redaktion bekannt

Meteomedia im Hurrikane

Von Peter Padrutt

Die Verhaftung von Jörg Kachelmann hat auch seine Firma Meteomedia durchgeschüttelt: «Die Mitarbeiter sind geschockt und verunsichert. Wir werden vom Tagesgeschäft abgelenkt», so Frank Werner, Verwaltungsrat des Unternehmens, am Samstag zu SonntagsBlick.

«Wir gehen von seiner Unschuld aus und davon, dass er seine Arbeit wieder aufnimmt», fügt Werner noch hinzu. Und geht gleichzeitig auf Distanz zum Meteomedia-Gründer: «Eine verantwortungsvolle Unternehmensführung ist jederzeit darauf vorbereitet, dass sie auch ohne eine wichtige Persönlichkeit ihre Verträge erfüllen kann.»

Die Firma sei ohne Kachelmann nicht bedroht. Werner weiter: «Alle Verträge sind mit Meteomedia abgeschlossen – nicht mit Jörg Kachelmann persönlich.» Einzelne Verträge beinhalten allerdings Kachelmann als Moderator. «Diesen Einsatz können wir im Moment nicht anbieten.

Aber das wäre auch bei einer Krankheit oder einem Unfall so», sagt Werner. Und: «Die Bedeutung von Kachelmann für Meteomedia wird überschätzt, da das Mediengeschäft nur einen kleinen Teil unserer Aufträge ausmacht. Kachelmann hat ja einige Jahre in Kanada gelebt, ohne dass das hier wahrgenommen wurde.»

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