Journalistin Joëlle Weil über ihr Leben in Tel Aviv Wie wir dem Terror trotzen

Tel Aviv wurde und wird immer wieder von Attentaten heimgesucht. Das Rezept der Bevölkerung gegen den Terror? Wir machen weiter.

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Journalistin Joëlle Weil.

Die schrecklichen Ereignisse von Brüssel und auch diejenigen in Paris führen uns Europäern Folgendes vor Augen: Wir alle sind verwundbar. Man glaubt sich Zuhause in Sicherheit und wird von einer anderen Realität erschüttert. Einer Realität, die den Alltag in ein dunkles Loch reisst.

Seit drei Jahren lebe ich in Israel, in Tel Aviv. Einer lebendigen Stadt, die jährlich viele Touristen anlockt, aber auch eine Stadt, die in ihrer Vergangenheit und ihrer Gegenwart immer wieder mit Terror zu kämpfen hatte. Seit September 2015 hält die aktuelle Gewaltwelle in Israel an: 206 Messersattaken wurden seither verübt. Die letzte, welche international mediale Aufmerksamkeit erhielt, ereignete sich am 8. März, als ein palästinensischer Terrorist in Tel Aviv an der bekannten Strandpromenade einen amerikanischen Touristen niederstach und zehn weitere verletzte. Das Unbehagen machte wieder seine Runde: Wenn es einen Touristen trifft, dann sind wir alle verwundbar, dann ist der Terror definitiv willkürlich, so das Empfinden.

Dem Terror trotzen

Tel Aviv hat gelernt, mit dem Terror zu leben. Selbstmordattentate, Messerattacken, Explosionen ... Die Stadt hat leider schon alles gesehen. Immer wieder trifft man in der Stadt auf Gedenktafeln, die an die Gräueltaten erinnern. Aus der Fassung lässt sich Tel Aviv aber nicht bringen, im Gegenteil: Sobald etwas passiert, raufen sich die Menschen zusammen und versuchen fast schon demonstrativ weiterzumachen. Dem Terror keinen Raum geben. Den Terror nicht gewinnen lassen. Terror will nicht in erster Linie töten, Terror will in erster Linie Chaos schaffen. Aber dazu lässt man sich in Tel Aviv nicht hinreissen. Heute Abend beginnt das jüdische Pendant zur Fasnacht, das Purim-Fest. Tausende tanzen dann auf den Strassen Tel Avivs. Das soll dieses Jahr nicht anders sein. Der Bürgermeister liess nach dem Attentat vom 8. März sofort verlauten, dass die Festivitäten wie gewohnt stattfinden werden. Sich nicht beirren lassen, so das Motto.

Nachdem am 1. Januar 2016 ein palästinensischer Attentäter zwei Israelis in einer Bar an der bekannten Dizengoff-Strasse erschoss, griff Tel Aviv zu einer noch drastischeren Massnahme: Mit Unterstützung der Stadtverwaltung organisierten die Bars der Strasse eine Art Bar-Strassen-Party. «Tel Aviv ohne Ende» nannte sich die, bei der sich die Lokalitäten der Nachbarschaft zusammenschlossen, um dem Terror zu trotzen.

Tägliche Sicherheitskontrollen

In Israel ist es ganz normal, dass man vor dem Betreten eines öffentlichen Gebäudes oder einer Zugstation die Taschen öffnen oder durch einen Detektor gehen muss. Diese Vorsichtsmassnahme ist Teil des Alltags, daran hat man sich gewöhnt und jedem ist klar, dass diese Sicherheitsvorkehrungen unverzichtbar sind. Es ist aber auch jedem klar, dass solche Vorkehrungen das Schlimmste nicht verhindern können, sondern nur ein Gefühl der Sicherheit schenken sollen.

Natürlich ist man auch in Tel Aviv besorgt, wenn etwas passiert. Besonders wenn man in den Nachrichten hört, dass der Attentäter noch auf freiem Fuss ist, so wie nach der Schiesserei Anfang Jahr. Aber man will sich unter keinen Umständen terrorisieren lassen. Tel Aviv liefert die Antwort, mit der Terrorismus schlecht umgehen kann: Wir machen weiter. Genau so wie immer. Und wenn es hart auf hart kommt, leben wir das Leben umso exzessiver, denn Terror darf nie über das Leben bestimmen. Terror löscht weltweit genug Leben aus, dann darf es nicht noch zusätzlich das vorhandene behindern.

Publiziert am 25.03.2016 | Aktualisiert am 25.03.2016
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3 Kommentare
  • Martin  Baumann 26.03.2016
    Ich will auch keinen Terror, aber auch keine Länder welche andere Besetzen!
  • Urban  Kriesi , via Facebook 25.03.2016
    Ich will kein Rezept, wie man dem Terror trotzt! Ich will keinen Terror!
    • Peter  Huber aus Olten
      25.03.2016
      Ist ja interessant. Dass die Israeli darauf noch nicht gekommen sind