Journalistin Güner Yasemin Balci (40): «Der Islam ist eine geladene Waffe»

In Libyen köpfen IS-Terroristen Menschen vor laufender Kamera, in Paris und Kopenhagen richten islamistische Terroristen Blutbäder an. Die türkischstämmige Journalistin Güner Yasemin Balci (40) fordert von Muslimen eine klare Abgrenzung gegen den Terror im Namen Allahs.

Journalistin, Schriftstellerin, Vorkämpferin für einen modernen Islam: Güner Yasemin Balci. play

Journalistin, Schriftstellerin, Vorkämpferin für einen modernen Islam: Güner Yasemin Balci.

ddp Images

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Sechs Kleinkinder kamen ums Leben Ikea ruft Millionen Killer-Kommoden zurück
2 Chauncy Black (16) muss nicht mehr betteln Er fragte nach Donuts und...
3 Deutsche Polizei feiert «Held des Tages» Flüchtling (25) gibt...

Ausland

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
313 shares
6 Kommentare
Fehler
Melden

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger, liebe Geschwister im, mit und ohne Glauben, im Namen Allahs des Barmherzigen rufe ich alle zur Vernunft, zum kritischen Denken auf!

Seit es unsere Religion gibt, werden im Namen des Islam Menschen getötet.

Viele Muslime, ich hoffe die meisten, distanzieren sich nicht nur von diesen Taten, sondern verurteilen und verachten die Menschen, die sie begehen. Muslime stehen heute mehr denn je in der Pflicht, nicht nur den Islamisten, sondern auch allen Traditionalisten den Kampf anzusagen. Es reicht nicht aus, sich zu distanzieren, es müssen Taten folgen. Die Ursachen des Übels, des Kampfes gegen alle Nicht-Muslime, liegen in unserem Umgang mit dem Islam. Wenn ich «unserem» sage, meine ich alle Menschen, aber in erster Linie uns Muslime. Zu leise sind die Stimmen, die ihn reformieren wollen.

Muslime wie Nicht-Muslime haben Angst vor dem Islam, weil es noch immer zu viele Islam-Vertreter gibt, die diesen kritischen Blick verbieten. Ich kann mit Bestimmtheit sagen, dass ein Grossteil meiner Geschwister im Glauben, besonders jene, die ihn predigen, schon immer die Abgrenzung zu all den anderen, den sogenannten Ungläubigen gesucht und propagiert und bei jeder Kritik am Islam sofort die Rolle des Opfers eingenommen hat. Wo sind die Imame, die sagen: Dieser und jener Vers ist in einer bestimmten Zeit entstanden, und den müsst ihr nach heutiger Sicht der Dinge so und so verstehen und deshalb dürft ihr euch nicht so verhalten, wie ihr es gerade tut? Wo sind die Geistlichen, die es wagen, sich gegen die Verschleierung der Frau auszusprechen und für das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben für jeden Menschen?

Die Realität der islamischen Welt ist anders: Gerade die Gewalt hervorhebenden Verse werden genutzt, um Menschen Gewalt anzutun. Die Angst vieler Muslime, die es wagen, einen analytischen Blick auf den Koran und die Hadithen zu werfen, ist verständlich, denn sie werden von den meisten Vertretern des Islam in Deutschland und auf der ganzen Welt diffamiert – gar mit dem Tode bedroht.

Unser Glaube ist nicht für alle Menschen die einzig wahre Religion und darf sich nicht mit Verachtung über alles andere stellen. Wenn das die Botschaft ist, die heute bei einem jugendlichen Moscheebesucher als erste im Kopf hängen bleibt, wozu sprechen wir dann noch von einem barmherzigen Allah? Viele Muslime sagen: «Ich bin kein Islamist, warum sollte ich mich von den Taten der Islamisten distanzieren? Als die NSU-Mörder zehn Menschen hinrichteten, haben sich auch nicht alle Deutschen öffentlich von diesen Nazis distanziert.»

Dieses Denken ist falsch. Wir liefern allen Rassisten dieser Welt, egal ob Moslems oder nicht, das nötige Futter, wenn wir unsere Religion zu einem unberührbaren Regelwerk erklären. Die NSU-Zelle kann ihre Morde nicht mit dem Grundgesetz legitimieren, Islamisten aber legitimieren die Verfolgung und Ermordung von Menschen mit der heiligen Schrift.

Religion kann eine Waffe sein – der Islam, so wie er heute von vielen interpretiert wird, ist aufgrund des Mangels an kritischer Auseinandersetzung eine geladene Waffe. Er lebt immer noch in dem Verteidigungsglauben einer vormodernen Zeit.

Mohammed war der letzte Prophet, wir können nicht auf den nächsten warten, um unsere Probleme von heute zu lösen. Nach ihm ist viel auf Gottes Erde passiert, es gab viele Kriege, viel Leid und Tod – und dann wieder Licht. In einer Hadith heisst es: «Das Wissen ist der Gläubigen verlorenes Gut, wo auch immer sie auf Wissen treffen, sollen sie es aufgreifen.»

Der Islam ist zeitgemäss, wenn wir bereit dafür sind.

Der Text erschien erstmals in der Februar-Ausgabe von «Cicero», dem Magazin für politische Kultur. Für SonntagsBlick hat die Autorin ihn leicht gekürzt.

Publiziert am 23.02.2015 | Aktualisiert am 23.02.2015
teilen
teilen
313 shares
6 Kommentare
Fehler
Melden

6 Kommentare
  • Peter  Weber aus Zürich
    23.02.2015
    Es ist ja wohl so, das eine Religion auch Rückschlüsse auf ihren Gott erlaubt. Demnach würde ich stark bezweifeln das Allah barmherzig ist. Und wenn Gott nicht barmherzig ist ,dann ist er kein gütiger Gott, das bedeutet er ist kein guter Gott. Was ist er dann? Ist er ein böser Gott? Wie erklärt man sich dann die Existenz des Guten ? Einen bösen Gott wird wohl niemand akzeptieren, da wäre kein Gott ja schon ein Fortschritt. Denkt mal darüber nach.
  • Chäpp  Zingg aus Rheintal
    23.02.2015
    Toll geschrieben und auf den Punkt gebracht. Ich ziehe meinen Hut vor dieser Frau. Doch leider werden ihre Worte im Nirvana verpuffen.
  • Jacky  Marder 23.02.2015
    Und von der Politik in Westeuropa will das keiner wahrhaben. Es kommt schon so wie es kommen muss!! Ich werde es nicht mehr erleben, Gott sei Dank!
  • peter  Schaad 23.02.2015
    Vielen Dank Frau Balci. Treffender kann man es nicht ausdrücken. Da ist alles klar auf den Punkt gebracht ohne wenn und aber und mit Erklärung, warum Muslime sich distanzieren sollen. Nur einen Schritt würde ich noch weiter gehen. Durch viele strenge islamische Länder wird die distanziertere Sichtweise kaum ermöglicht werden. Es wird daher an uns liegen, einen friedlichen, weltoffenen Islam zu fordern, insbesondere von Muslimen, die hier leben. Diese könnten am Einfachsten ein Zeichen setzen.
  • Christian  Bürer aus Seewen
    23.02.2015
    Toll, nur liest diese Zielgruppe ein Kulturmagazin, wohl kaum! Und wenn, verstehen die überhaupt, was gemeint ist, und weil sie es nicht verstehen, schürt das höchstens ihre Aggression.