Jörg Haider stirbt bei Crash

  • Publiziert: 11.10.2008, Aktualisiert: 19.01.2012

WIEN – Der österreichische Rechtspopulist Jörg Haider ist tot. Ein Autounfall auf dem Weg nach Hause kostete ihn das Leben.

Der Kärntner Landeshauptmann (Ministerpräsidenten) und Chef der rechten Partei Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) habe mit seinem Dienstwagen kurz vor dem Unfall ein anderes Auto überholt, berichtete die Polizei. Danach sei er mit seinem Wagen aus noch unbekannter Ursache von der Strasse abgekommen.

Das Fahrzeug überschlug sich. Dabei habe Haider, der allein im Auto gewesen sei, schwerste Verletzungen im Kopf- und Brustbereich erlitten, an denen er wenig später gestorben sei.

«Für uns ist das wie ein Weltuntergang», sagte Haiders Sprecher und Stellvertreter im Parteivorsitz, Stefan Petzner. Haider sei noch bei einer Veranstaltung gewesen und habe nach Hause fahren wollen, als sich der Unfall ereignete. Der Politiker hinterlässt eine Frau und zwei erwachsene Töchter.

Steile Karriere

Als Sohn eines Schuhmachers und einer Lehrerin wurde Haider in Kärnten geboren, nach der Maturität studierte er in Wien Jura. 1977 machte er dann als FPÖ-Landesparteisekretär die Politik zu seinem Beruf und schaffte eine steile Karriere.

Lange Jahre war der Rhetorik- und Medienprofi der «starke Mann» der Partei und zimmerte im Hintergrund unter anderem an der umstrittenen Regierungskoalition im Jahr 2000 mit der konservativen ÖVP unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel.

Haider selbst war im Kabinett nicht vertreten, da er wegen seiner zahlreichen umstrittenen Äusserungen zum Nationalsozialismus als untragbar galt. So hatte er Konzentrationslager als «Straflager» bezeichnet und von einer «ordentlichen Beschäftigungspolitik» des Dritten Reichs gesprochen.

Mit Haider im Abseits

Doch allein der Eintritt der FPÖ in die Regierung führte zu einem Eklat in der Europäischen Union. Die EU-Länder beschlossen Sanktionen: Bilaterale Kontakte wurden unterbrochen und österreichischen Kandidaturen für Posten bei internationalen Organisationen die Unterstützung verweigert. Nach neun Monaten wurden diese Massnahmen aber eingestellt.

Haider, der sich bis zum Schluss als Europa-Skeptiker profilierte, überwarf sich schliesslich mit der FPÖ und gründete eine neue Formation, das Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ).

Comeback mit BZÖ

Bei den Parlamentswahlen Ende September erzielte die Partei einen Stimmenanteil von elf Prozent und war zwischenzeitlich als möglicher Koalitionspartner der ÖVP im Gespräch. Der neue ÖVP-Chef Josef Pröll wollte davon jedoch nichts wissen.

Haider war nicht nur die umstrittenste, sondern auch die schillerndste Figur der österreichischen Politik. Er war oft im eigenen Helikopter oder im schwarzen Porsche-Cabrio unterwegs, kletterte medienwirksam auf den Grossglockner und pflegte eine Freundschaft mit einem Sohn des libyschen Staatschefs Muammar Gadaffi. Dem irakischen Diktator Saddam Hussein stattete er 2002 einen Besuch ab. (SDA)

«Wie ein Weltuntergang»

WIEN – Die österreichische Politik hat mit Bestürzung auf den Unfalltod des Rechtspopulisten Jörg Haider reagiert. Bundespräsident Heinz Fischer zeigte sich in einer ersten Stellungnahme «tief betroffen».

Das Staatsoberhaupt nannte den Unfalltod Haiders «unfassbar» und sprach von einer «menschlichen Tragödie». Fischer würdigte den Kärntner Landeshauptmann als «Politiker mit grossen Begabungen», der mit seinem politischen Wirken Begeisterung, aber auch entschiedene Kritik ausgelöst habe.

Der scheidende Bundeskanzler Alfred Gusenbauer zeigte sich ebenfalls «sehr betroffen» und drückte der Familie Haiders sein Mitgefühl aus. Sein wahrscheinlicher Nachfolger, SPÖ-Chef Werner Faymann, nannte Haider einen «Ausnahmepolitiker», der die Politik in Kärnten und darüber hinaus in ganz Österreich über Jahre hinweg geprägt habe.

BZÖ: Einer der grössten Politiker

Vertreter von Haiders neu gegründetem Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) waren erschüttert über den Tod ihres Parteichefs. «Für uns ist das wie ein Weltuntergang», sagte BZÖ-Generalsekretär Stefan Petzner. Haiders enger politischer Weggefährte und Vorgänger als BZÖ-Chef, Peter Westenthaler, nannte Haider «einen der grössten Politiker der österreichischen Nachkriegsgeschichte.» (SDA)
play Streitbarer und umstrittener Politiker: Jörg Haider. Wurde er ermordet? (Reuters)

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