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Mehr als 3000 Tonnen Abfall stapeln sich und keiner weiss so recht, wohin damit. Der Müll in Neapel wird seit dem 21. Dezember nicht mehr entsorgt, da die städtischen Deponien voll sind. Nun will die Regierung aber eine Lösung haben. Die zwischenzeitlich geschlossene Mülldeponie in Neapels Vorort Pianura soll wegen der Abfallberge wieder eröffnet werden.
Doch das stinkt den Leuten. Sie befürchten nämlich Gesundheitsschäden für die Anwohner. «Wir alle haben zumindest einen kranken Familienangehörigen zu Hause», sagen die Menschen im Pianura.
Deshalb zeigen die Leute ihren Unmut mit Tat und Kraft. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Gestern Abend wurden dabei sieben Feuerwehrmänner verletzt.
Wütende Demonstranten warfen im Ort Pozzuoli Feuerwerkskörper und Steine in das Innere des Feuerwehrfahrzeugs. Einige Demonstranten schmissen Steine auf am Boden liegende Feuerwehrmänner. Und die italienische Nachrichtenagentur ANSA berichtete unterdessen, dass ein Polizeiauto von vermummten Demonstranten angegriffen worden sei.
Verärgerte Bürger setzten Berge von Unrat in Brand. Die Feuerwehr und die Polizei griffen ein, um die Brände zu löschen und Strassenblockaden zu räumen. Vermummte Jugendliche bewarfen den Sitz der Feuerwehr mit Molotowcocktails und schleuderten Steine gegen ein Auto von Fernseh-Journalisten. Mehrere Autos brannten.
Inzwischen arbeitet die Regierung Prodi an der Umsetzung des neuen Plans zur Bewältigung der Krise. Die Regierung sandte Ex-Polizeichef Gianni De Gennaro nach Neapel. Als «Sonderkommissar» soll er in den kommenden vier Monaten über das Abfallproblem wachen. Neue Müllverbrennungsanlagen, Deponien und die zeitweilige Übernahme der Abfälle durch andere Gemeinden und Regionen sollen das Problem entschärfen. Vier Regionen im Norden weigern sich aber bereits jetzt, den Kehricht in ihrem Gebiet zu entsorgen. Ein Schiff mit 1500 Tonnen Müll zur Entsorgung erreichte heute Sardinien. (SDA/spj)