Jetzt will er auch die EU auf Knien sehen

  • Publiziert: 17.03.2010, Aktualisiert: 13.01.2012

MADRID – Im Streit um Visa-Sperren stellt Libyen ein Ultimatum an die EU. Tripolis verlangt eine Entschuldigung wegen dem Einreiseverbot in den Schengenraum für Gaddafi und weitere Mitglieder der Elite.

Der Visa-Streit zwischen der Schweiz und Libyen zieht weitere Kreise. Weil die Schweiz libysche Staatsbürger für den Schengen-Raum auf eine Schwarze Liste setzte, machte die EU für Muammar al-Gaddafi und Entourage die Grenzen dicht. Jetzt will der Wüsten-Diktator nach der Schweiz auch von Europa ein Schuldbekenntnis.

«Unser historischer Führer wurde dadurch beleidigt», sagte der libysche Botschafter in Madrid, Ageli Abdussalam Breni, gemäss der Zeitung «El País».

Frist für Entschuldigung bis Sonntag


Die EU müsse bis spätestens am Sonntag eine Erklärung mit einer «klaren Entschuldigung» veröffentlichen, sagte Breni anlässlich einer Pressekonferenz in der spanischen Hauptstadt. Erst dann werde Libyen die Beziehungen zur EU normalisieren und seinerseits das Einreiseverbot für Bürger aus dem Schengenraum aufheben.

Die Entschuldigung der EU sei anlässlich eines Treffens zwischen dem spanischen Aussenminister Miguel Angel Moratinos und Muammar al-Gaddafi am 7. März in Tripolis ausgearbeitet worden, sagte Breni weiter.

Laut einer diplomatischen Quelle habe Moratinos die Erklärung jedoch nicht publik gemacht, da sich die Schweiz dagegen ausgesprochen habe, schreibt «El País» weiter. Denn damit hätte Bern anerkannt, Schengenregeln verletzt zu haben.

Spanien, welches derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne hat, bemüht sich um eine Vermittlung im Streit zwischen der Schweiz und Libyen.

Botschafter Breni: 188 Libyer auf Schwarzer Liste

Zum Schengenraum gehören 29 europäische Staaten. Auch die Schweiz, welche nicht EU-Mitglied ist, gehört dazu. Wegen der Verhaftung der beiden Schweizer Geschäftsleute Max Göldi und Rachid Hamdani in Libyen hatte Bern im letzten Jahr eine Schengensperre für Mitglieder der libyschen Elite verfügt (Blick.ch berichtete).

Auf der Schwarzen Liste sind laut Breni 188 Persönlichkeiten. Es handle sich um Mitglieder der Regierung und der Familie Gaddafi. Sogar ein dreijähriger Enkel des Revolutionsführers sei mit dem Einreiseverbot belegt worden. (SDA/noo)

play Wüsten-Diktator Gaddafi: Der «historische Führer» sei beleidigt, so der libysche Botschafter in Madrid. (Keystone)

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