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Die Situation am Golf von Mexiko verschlimmert sich: Zahlreiche Vögel sind ölverschmiert und der Ölteppich hat die Küsten und weissen Strände von Florida erreicht.
BP gibt sich dagegen optimistisch: Mittlerweile würden täglich etwa 1,6 Millionen Liter Öl und damit deutlich mehr als in den Tagen zuvor abgesaugt, sagte BP-Chef Tony Hayward gestern gegenüber der britischen «BBC». Nach den Worten von Hayward ist das «die Mehrheit» des ausströmenden Öls.
Die Eindämmung des Ölflusses war ein Hoffnungsschimmer an einem Wochenende voller Hiobsbotschaften: Starke Winde schoben den Ölteppich weiter Richtung Osten, an Touristenstränden in Florida sammelten sich Teerklumpen. Die US-Behörden untersagten in weiteren Gebieten den Fischfang.
Tiere sterben
Die Zahl ölverschmierter Pelikane, toter Meeresschildkröten und Delfine stieg nach Medienberichten stark an. Noch könnten 78 Prozent der gefundenen Vögel gerettet werden, teilte die Naturschutzbehörde in Louisiana mit. Aber die Reinigung werde schwieriger, weil das Gefieder der Vögel immer stärker verklebe.
US-Präsident Barack Obama warnte die Amerikaner nochmals mit Nachdruck vor zu grossen Hoffnungen auf ein schnelles Ende der grössten Ölkatastrophe in der Geschichte des Landes. Die Folgen würden lange nachwirken. «Wir sind auf das Schlimmste vorbereitet», sagte er in seiner wöchentlichen Radio- und Internetansprache. «Uns stehen noch massive Aufräumarbeiten bevor.»
Das Öl strömt immer noch
Trotz der erfolgreichen Inbetriebnahme der Absaugvorrichtung strömt nach wie vor Öl aus dem lecken Bohrloch, wie die Bilder des Live-Videos auf dem Meeresgrund zeigen. Um das zu unterbinden, wollen BP-Techniker in den kommenden zwei Tagen die offenen Ventile an dem Trichter schliessen, den sie auf das abgesägte Steigrohr an der Quelle gestülpt hatten.
Bis Ende des Monats soll zudem ein neuer Deckel auf die sprudelnde Quelle gesetzt werden, der schwerer sei und das Leck besser abdichte, berichtete die «New York Times» gestern. Im Gegensatz zum derzeitigen System soll das neue auch hurrikansicher sein.
Zum Stillstand gebracht werden kann der Ölfluss vermutlich aber erst im August, wenn zwei Bohrungen zum Grund der Quelle vier Kilometer unter dem Meeresboden abgeschlossen sind. Über sie soll Zement gefüllt werden und das Loch an der Basis verstopfen.
36000 Schadenersatz-Forderungen
Um den Schaden für das Unternehmen zu begrenzen, hat BP zudem eine Neuorganisation im eigenen Haus angekündigt. Künftig soll sich eine neu zu gründende, eigenständige Organisation um den Kampf gegen die Ölpest kümmern, informierte Hayward.
Dort sollen alle Massnahmen, die mit dem Unfall der Bohrinsel «Deepwater Horizon» vor sechs Wochen zusammenhängen, gebündelt werden. Mit diesem Schritt wolle BP erreichen, dass die Geschäfte ungestört weiterlaufen können, sagte Hayward. Der Ölmulti teilte mit, er sei derzeit mit 36000 Schadensersatz-Forderungen konfrontiert. Der Kampf gegen die Ölpest allein kostete den Konzern bis jetzt rund 1,25 Milliarden Dollar (rund 1,45 Milliarden Franken), wie das Unternehmen heute mitteilte. (SDA/rpj)