SARAJEWO - Die Deutsche Bettina S. wurde acht Jahre lang von einer bosnischen Familie als Sklavin gehalten. Jetzt erzählt sie erstmals von ihrem Martyrium.
Ihre eigene Mutter brachte die Deutsche Bettina S. im Alter von elf Jahren nach Bosnien zu Milenko Marinkovic und dessen Frau Slavojka. Von der Familie wurde Bettina wie eine Sklavin gehalten, erst Ende Mai, nach neun Jahren Gefangenschaft, gelang es der Polizei, die junge Frau zu befreien.
Der «Bild» liegt nun das Polizei-Protokoll vor, in dem Bettina von ihrem Martyrium berichtet. «Ich musste alles machen, bis zum Saubermachen der Pferde- und Schweineställe. Ich bekam nichts zu essen, war andauernd hungrig», sagt die heute 19-Jährige.
Ihre Mutter habe ihr gesagt, dass sie aus dem Müll essen müsse, weil sie schlecht in der Schule sei. «Ich nahm dem Hund etwas Essen weg, doch dann schlug mich Monika (die Stiefschwester) mit einem Stab, weil ich doch das Essen des Hundes genommen hatte», erzählt Bettina.
Einmal habe sie während sieben Tagen nichts zu essen bekommen. Da sei sie ins Haus von Milenko Marinkovic gegangen und habe ein Stück Brot und etwas Fleisch gestohlen.
Damit nicht genug. Zum ständigen Hunger wurde der Teenager gefoltert. «Als ich 15 oder 16 war, haben sie mich zur Seite gestoßen und angefangen, mich zu verprügeln», sagt sie.
Einmal habe der Stiefvater ein Messer mit einem Feuerzeug erhitzt und ihr Verletzungen im Gesicht und auf dem Arm zugefügt. Auch sei sie regelmässig mit einem Gürtel geschlagen worden, manchmal auch mit einer Eisenstange.
Auf die Frage, weshalb sie nicht flüchtete antwortet Bettina: «Sie haben gesagt, wenn ich alles der Polizei erzähle, bringen sie mich um.» Jetzt will sie nur noch eins – zurück nach Deutschland. (dra)