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Der Abdichtungsversuch mit der riesigen Stahlglocke ist gescheitert. doch der Ölkonzern BP soll noch drei andere Lösungen in der Hinterhand haben. Das sagte der Chef der Rettungsoperation, Doug Suttles gestern.
Die Experten könnten demnach versuchen, eine kleine Version der Stahlglocke auf das Leck zu setzen, wie «20minuten.ch» berichtet. Diese sei aber nicht vor Dienstag bereit.
Zudem überlege man, das offene Ölbohrloch mit Lehm und Beton abzudichten. Eine dritte Möglichkeit ist, gemäss BP, die Steigleitung abzuschneiden und durch eine grössere zu ersetzen. Das sei aber die am wenigsten favorisierte Lösung.
Glocke wegen Eiskristallen verstopft
Der Ölkonzern BP teilte am Wochenende mit, dass sich Eiskristalle gebildet und die Öffnungen verstopft hätten, durch die das Öl habe abpumpt werden sollen. BP-Manager Doug Suttles zufolge wird es mindestens zwei Tage dauern, bis ein nächster Versuch gestartet werden kann.
«Ich würde nicht sagen, dass es schon gescheitert ist», sagte Suttles vor den Medien in New Orleans. «Was wir vergangene Nacht probieren wollten, hat aber nicht geklappt.»
Es sei zwar einfach, die Eiskristalle aus der Glocke zu bekommen. Dazu müsse die Glocke in wärmere Gewässer gebracht werden. Schwierig sei hingegen, die erneute Bildung von Eiskristallen zu verhindern, sagte der BP-Manager. Die Einsatzkräfte erwägen nun, das Wasser in der Glocke zu erhitzen.
Erster Versuch dieser Art
Bislang ist noch nie versucht worden, mit Hilfe einer Metallglocke ein Bohrleck in dieser Tiefe zu verschliessen. Mit Hilfe von Robotern hatten BP-Ingenieure die knapp 100 Tonnen schwere und vier Stockwerke hohe Metallglocke auf das sprudelnde Bohrloch gestülpt, mussten sie jedoch wieder entfernen und in etwa 200 Metern Entfernung auf dem Meeresboden abstellen.
Der Konzern hatte eigentlich gehofft, das Öl ab der kommenden Woche durch einen Trichter von der Glocke auf Tankschiffe zu pumpen.
Einsatz von Chemikalien
Seit die Bohrinsel «Deepwater Horizon» am 20. April explodiert ist, strömen täglich schätzungsweise 800000 Liter Erdöl aus den Bohrlöchern. Am Samstag waren 270 Boote unterwegs, um Schwimmsperren auszulegen, die das Öl von der Küste fernhalten sollen.
Der britische Ölkonzern BP begann zudem bereits mit Entlastungsbohrungen. Es dürfte jedoch noch rund drei Monate dauern, bis dieses Verfahren seine volle Wirkung entfaltet. Es wurde auch versucht, mit kontrollierten Bränden die Ölmenge zu verringern.
Umstritten ist der Einsatz von Chemikalien zur Zersetzung des Ölfilms, da sie weitere Schäden in der Natur anrichten. Bereits wurden 1,1 Millionen Liter an chemischen Lösungsmitteln versprüht, um das Öl aufzuspalten. Drei Regierungsvertreter aus Louisiana forderten BP-Chef Tony Hayward auf, ihnen mehr Informationen über die Chemikalien und die Folgen für die Umwelt zu liefern.
Öl an Küste angekommen
Trotz des Kampfs gegen die Katastrophe ist das Öl an der Küste angekommen und bedroht einzigartige Umweltsysteme. Nachdem das Öl die ersten Strände eines Naturschutzgebietes in der Nähe von New Orleans erreicht hatte, ist jetzt auch Dauphin Island vor Alabama betroffen.
BP hat stets betont, für «alle Rechtsansprüche» durch die Ölkatastrophe aufzukommen. Die angerichteten Schäden werden bisher auf 14 Milliarden Dollar geschätzt. Elf Arbeiter kamen bei der Explosion der Ölplattform ums Leben.
Die Bohrinsel gehört dem an der Schweizer Börse kotierten Unternehmen Transocean mit Sitz in Zug und wurde von BP betrieben. Gegen Transocean wurden in den USA erste Schadenersatzklagen erhoben. (SDA)