Iran Jetzt schickt die Regierung ihre Leute auf die Strasse

  • Publiziert: 30.12.2009, Aktualisiert: 03.01.2012

TEHERAN – Nach der Opposition ruft nun der Staat seine treuen auf die Strassen im Iran. Für Präsident Mahmud Ahmadinedschad ist nämlich klar: Schuld an den Aufständischen ist das Ausland.

Im Machtkampf mit der Opposition setzt die iranische Führung verstärkt auf die Mobilisierung ihrer Anhänger. Hunderttausende regierungstreue Iraner bekundeten am Mittwoch in Teheran und anderen Städten den zweiten Tag in Folge ihre Unterstützung für die Regierung.

Zu den staatlich organisierten Massenkundgebungen, an denen im ganzen Land laut amtlichen Medienberichten Millionen Menschen teilnahmen, hatten auch die Revolutionsgarden, Theologieschulen und örtliche Vereinigungen aufgerufen. Nach Zeugenberichten ermunterten mehrere Grossunternehmen ihre Angestellten zur Teilnahme und stellten zu diesem Zweck Busse zur Verfügung. Die Kundgebungen wurden vom Staatsfernsehen direkt übertragen.

Von Strassenprotesten der Regierungsgegner wurde zunächst nichts bekannt, obwohl sie auf Internetseiten der Reformbewegung angekündigt worden waren.

«Feinde Gottes»

Die regierungstreuen Demonstranten beschuldigten die Führer der Opposition, Unruhen in der Islamischen Republik zu schüren. In Sprechchören bekundeten sie ihre Unterstützung für den Obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei und trugen Bilder des Geistlichen.

«Mussawi ist für das Blutvergiessen verantwortlich», riefen andere Demonstranten über den unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Mirhossein Mussawi. Bei Protesten der Opposition waren am Sonntag acht Menschen ums Leben gekommen.

Keine Toleranz für Opposition

«Tut Busse, oder der Staat wird Euch als Mohareb (Feinde Gottes) behandeln», forderte der Geistliche Ahmad Alamolhoda ein Einlenken der Opposition. Deren Vertreter waren in den vergangenen Tagen wiederholt als «Feinde Gottes» bezeichnet worden, wofür ihnen nach dem Recht der Islamischen Republik die Todesstrafe droht.

«Für Toleranz gegenüber Teilnehmern an illegalen Kundgebungen ist kein Platz mehr», drohte Polizeichef Ahmadi-Mokadam der Opposition mit einem harten Vorgehen. Auch er sprach von «Feinden Gottes», von denen einige bei den Demonstrationen am Sonntag festgenommen worden seien.

Ausländische Flaggen verbrannt

Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte der Opposition am Dienstag vorgeworfen, ihre Aktionen seien vom Ausland gesteuert. «Tod Amerika», «Tod Grossbritannien», riefen Demonstranten am Mittwoch. In Teheran wurden amerikanische und britische Flaggen verbrannt.

Die UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte rief die iranischen Sicherheitskräfte zur Mässigung auf. Sie sei schockiert über die Zahl der Toten, Verletzten und Festgenommenen, erklärte Navi Pillay in Genf. Die Menschen hätten das Recht friedlich zu demonstrieren, ohne geschlagen, misshandelt und ins Gefängnis geworfen zu werden.

play Der Niedergang westlicher Nationen wie England oder USA sind ebenfalls beliebt bei den Oppositions-Gegnern. Dort will Mahmud Ahmadinedschad die Drahtzieher der Opposition ausgemacht haben. (Reuters)

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