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Unsere Erde kommt aus dem Gleichgewicht – und das lässt sie uns spüren. Naturkatastrophen wie am Fliessband halten Asien fest im Griff. Seit gestern bebt hier die Erde, unter und über Wasser – und es ist kein Ende in Sicht.
Taifun steuert auf die Philippinen zu
Genau in diesem Moment bewegt sich ein mächtiger Tropensturm auf die Küste der Philippinen zu. Grösste Gefahr gehe von Taifun «Parma» aus, sagen Meteorologen. Sie schätzen, dass der Sturm Geschwindigkeiten bis zu 210 Kilometer pro Stunde erreichen wird. Der Taifun soll nach den Berechnungen am Samstag die Provinz Aurora im Nordwesten des Inselstaates treffen.
Die Natur lässt den Menschen keine Chance aufzuatmen: In der philippinischen Hauptstadt Manila und der Umgebung kam es am vergangenen Samstag zu den schlimmsten Überschwemmungen seit 40 Jahren. Mehr als 270 Menschen starben. Tausende sind noch heute obdachlos.
Es ist im wahrsten Sinne des Wortes die Hölle auf Erden: Innerhalb von 24 Stunden verloren im Südpazifik und in Südostasien durch Naturkatastrophen bereits hunderte Menschen ihr Leben. Erst kam der Tsunami, dann die Riesen-Beben – und jetzt der Killer-Taifun. Zurzeit liegt die offizielle Zahl der Tsunami- und der Erdbebenopfer bei 659 Menschen. Etliche werden noch vermisst. Wenn der Tropensturm die Küste der Philippinen mit voller Wucht trifft, werden vermutlich noch weitere Opfer zu beklagen sein.
Tsunami brachte Tod und Verwüstung
Der wohl schlimmste Tag des Jahres begann mit einer neun Meter hohen Killerwelle, die die südpazifische Insel Samoa verschluckte. Das Epizentrum des Seebebens lag nur knapp 100 Meilen von der Insel entfernt – den Menschen blieben nicht einmal 15 Minuten, um sich in Sicherheit zu bringen. Dutzende schafften es nicht und starben in den Fluten.
Das Ausmass der Katastrophe schildert eine Radioreporterin der dpa: Sie berichtet von Dutzenden Leichen, die in dicken Schlammschichten und Sanddünen stecken. «Bei den meisten Toten handelt es sich um Kinder und ältere gebrechliche Menschen – solche, die sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen konnten.»
Samoas Premierminister Tuilaepa Sailele Malielegaoi ist fassungslos: «So viele Menschen sind verschwunden.» 120 Tote sind zurzeit bestätigt. Die Opferzahl kann aber stündlich steigen: Im Moment suchen Neuseeländische Aufklärungsflugzeuge im Meer nach Überlebenden. 6000 Menschen sind obdachlos.
Zwei Erbeben lassen Sumatra zittern
Nicht einmal 24 Stunden später erschütterte ein Beben der Stärke 7,6 die indonesische Insel Sumatra. Tausende Menschen wurden unter den Trümmern ihrer Häuser begraben. Das Epizentrum des Bebens lag vor der Westküste Sumatras. Die Wucht der aufgewühlten Erde war so stark, dass sogar die 990 Kilometer entfernte Hauptstadt Jakarta noch zitterte. Das Beben ereignete sich am selben Spalt der Erdkruste, der auch den verheerenden Tsunami von 2004 ausgelöst hatte.
Doch damit nicht genug: Wieder knapp 24 Stunden später erschütterte ein zweites Beben Sumatra. Es war nicht viel schwächer als das erste: Diesmal erreichte das Erdbeben eine Stärke von 6,8. Das Epizentrum lag diesmal 226 Kilometer südwestlich der Stadt Padang, die durch das vorherige Beben bereits besonders schwer betroffen war. Das Ausmass der Schäden des zweiten Bebens ist zurzeit noch nicht absehbar. Die bestätigte Opferzahl liegt momentan bei 529. Das Krisenzentrum stellt sich allerdings auf weitaus schlimmere Zahlen ein: Unter den Trümmern seien noch tausende Menschen verschüttet, teilt es in Jakarta mit.
Kaum hat die Erde kurz aufgehört zu wüten, müssen sich die Einwohner Sumatras mit einer neuen Gefahr auseinandersetzen: Die starken Erschütterungen könnten die drei grossen Vulkane Merapi, Talang und Tandikat aufgeweckt haben.
Auch die Stürme hatten Südostasien gestern fest im Griff: Der Tropensturm «Ketsana» wütete über Kambodscha. Heftiger Regen prasselte vom Himmel. In den Fluten ertranken mindestens 10 Menschen.
Gleichzeitig bebte die Erde in Peru
Am gleichen Tag wütete auch die Erde auf der anderen Seite der Welt – in 162 Kilometer Tiefe. Ein Beben von 6,3 auf der Richter-Skala erschütterte den Südosten Perus. Das Epizentrum lag rund 100 Kilometer von der bolivianischen Hauptstadt La Paz entfernt. Die Behörden haben noch keine Opferzahlen veröffentlicht.
Die zeitliche Ballung löst Fragen nach einem Zusammenhang zwischen den drei Naturkatastrophen aus. Den gibt es aber laut dem Schweizer Erdbebenexperten Urs Kradolfer nicht.
Die traurige Bilanz des Horror-Tages: 659 bestätigte Tote – und etliche Vermisste. Und es ist noch kein Ende in Sicht. Unsere Erde wütet immernoch. (s5j)