Jetzt räumen die Soldaten auf

  • Publiziert: 07.01.2008, Aktualisiert: 02.01.2012
play Finden Sie die Strasse? Blick auf San Giorgio a Cremano bei Neapel. (Keystone)

ROM – Neapel vers(t)inkt im Müll. Heute ist die Polizei mit Gewalt gegen die – seit Tagen andauernden – Proteste wegen der Wiedereröffnung einer Abfalldeponie vorgegangen.

Mit Knüppeln bewaffnet räumten Polizisten eine Strassenblockade im Vorort Pianura. Die Demonstranten antworteten mit Steinwürfen. Mit der Sperre wollten sie den Kehrichtwagen die Zufahrt zur Deponie verwehren.

Laut den Protestierenden gefährdet die Mülldeponie von Pianura, die seit 1996 gesperrt war, die öffentliche Gesundheit. Das Abfalllager befindet sich unweit eines Naturschutzgebiets.

«Müllferien» für Schüler?

Soldaten begannen heute damit, den stinkenden Abfall vor Schulen in der Region Kampanien abzutransportieren. Damit soll die drohende Schliessung zahlreicher Schulen verhindert werden. Die Direktoren hatten zuvor angekündigt, die Weihnachtsferien für die Schüler aus hygienischen Gründen verlängern zu wollen.

Die Regierung von Ministerpräsident Romano Prodi hatte jedoch die Eröffnung der Schulen angeordnet. Die Situation werde für die Kinder nicht besser, wenn die Schulen geschlossen blieben, sagte er. Viele Eltern in Neapel beschlossen jedoch, ihre Kinder doch nicht in die Schule zu schicken. (SDA/dip)

Nationaler Notfall

Prodi hat die Abfallkrise zum nationalen Notfall erklärt und davor gewarnt, dass Italiens Ruf darunter leiden könnte. Auf heute war eine Kabinettssitzung geplant, auf der über Massnahmen zur Beseitigung der stinkenden Abfallberge beraten werden sollen.

Seit Jahresanfang sammelten sich mehr als 100000 Tonnen Abfall in Kampanien. Neapel und die gesamte Region leiden seit Jahren unter einem Entsorgungsproblem. Deponien und Wiederaufbereitungs-Anlagen sind chronisch überlastet, ausserdem wurden von der örtlichen Mafia betriebene Müllhalden geschlossen.

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