Psycho-Arzt Jetzt packt ein Überlebender der Todessitzung aus

  • Publiziert: 22.09.2009, Aktualisiert: 03.01.2012

BERLIN – Immer mehr Details des Psycho-Arztes Garik R. kommen ans Licht: Es habe zwei Cocktails zur Auswahl gegeben. Die, die beide genommen hätten, seien jetzt tot, erzählt ein Patient.

Der Psycho-Arzt Garik R.* (50) schickte am Samstag 12 seiner Patienten mit einem Drogencocktail auf einen Selbstfindungstrip. Zwei Männer (28, 59) starben dabei – einer liegt noch im Koma (Blick.ch berichtete).

Das Haus von Garik R. ist versiegelt. Im Garten schnüffeln Hunde. Sie suchen nach Ecstasy, LSD und Speed. Nach den illegalen Drogen, mit denen Garik R. seine Patienten zudröhnte. Aber was ist genau passiert während der tödlichen Sitzung?

Ephedrin-Ecstasy Gemisch

«Die Sitzungen liefen wie ganz normale Gesprächsrunden ab – wenigstens während der ersten Stunde.» Denn dann habe Garik R. immer seine Drogencocktails ausgepackt, erzählt der Mann der «B.Z.». «Ich kannte dieses Therapie-Ritual. Doch wenn er die Drogen auspackte, wurde er mir fremd.»

Er habe wegen der Drogen zunehmend Bedenken gehabt, erzählt der Zeuge weiter. An diesem Tag habe es zwei Becher gegeben. Einen mit Tabletten und einen mit weissem Pulver. Es seien die Worte Ephedrin und Ecstasy gefallen.

Diejenigen, die beide Becher nahmen, hätten schnell Probleme bekommen. «Einer der Teilnehmer begann plötzlich nach Luft zu schnappen und sackte in sich zusammen – dann blieb sein Herz stehen.» Garik R. habe ihn zwar versucht zu reanimieren, aber es wäre zu spät gewesen. Ein anderer starb ebenfalls kurz danach im Krankenhaus. Ein Mann liegt noch im Koma.

Drogencocktails für Manager bis Hausfrau

Welche Menschen nehmen an so einer Drogen-Therapie, genannt Psycholyse teil? Die Teilnehmer seien Handwerker, Manager, Hausfrauen und Yoga-Lehrer gewesen. Bunt gemischt durch alle Bevölkerungsschichten. «Ich selbst nahm an den Sitzungen teil, weil ich mit mir ins Reine kommen wollte. Ich hatte keine tiefen Traumata, sondern Sorgen oder Sinnkrisen. Wie die meisten anderen auch», erzählt der Patient.

«Ich bin wütend auf den Arzt. Er hat bewusst auf Kosten seiner Patienten diese umstrittenen Therapien zu seinem finanziellen Vorteil durchgeführt», fügt der Augenzeuge hinzu. (s5j)

* Name der Redaktion bekannt

«Psycholyse».

Bei der «Psycholyse» werden psychoaktive Drogen verabreicht, um Patienten Blockaden im Unterbewusstsein zu lösen. Zu diesen Drogen gehören LSD, Ecstasy, Speed, Ketamin und Epehdrin.

Legal für die Therapie sind allerdings nur Ketamin und Ephedrin: Ketamin ist ein rezeptpflichtiges Narkosemittel, was hauptsächlich in der Tiermedizin angewendet. Ephedrin ist ein Aufputschmittel, das starke Halluzinationen hervorrufen kann.

Psychiater distanzieren sich

Der Verband der organisierten Psychiater distanziert sich allerdings energisch von dieser Therapie-Form. «Ich kenne keine psychische Krankheit, die man mit Narkosemitteln oder Drogen behandelt. Das ist altertümlich», sagt Hans Kurt, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie.

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