156 Tote, 1400 verhaftet Jetzt mucken Chinas Frauen auf

  • Publiziert: 07.07.2009, Aktualisiert: 19.01.2012

PEKING – Es herrscht Kriegszustand in China. Die Proteste forderten bereits 156 Tote, 1400 wurden verhaftet. Nun gehen Chinas Frauen auf die Barrikaden.

Zwei Tage nach dem Beginn der blutigen Proteste in der Uigurischen Provinz Xinjiang gehen jetzt Chinas Frauen auf die Strassen. Sie fordern die Freilassung ihrer Väter, Männer, und Söhne.

Ausländische Journalisten, die von den Behörden durch die Provinzhauptstadt Urumqi geführt wurden, konnten die Demonstration beobachten. Ein BBC-Korrespondent berichtete, es seien diesmal vor allem Frauen gewesen, die protestierten.

Eine Frau und ihr Kind hätten sich den Reportern als erste genähert und weinend die Freilassung ihres inhaftieren Mannes verlangt

Es herrscht das Kriegsrecht

Nach den blutigen Unruhen in der Uiguren-Region Xinjiang greifen die chinesischen Behörden hart durch. Das Zentrum der Hauptstadt Urumqi glich am Dienstag einer Festung, in einigen Stadtvierteln galt nach Angaben der Regionalregierung das Kriegsrecht.

Laut ausländischen Reportern vor Ort bezogen in der Innenstadt Sicherheitskräfte massenhaft Stellung. Hunderte Polizisten mit Helmen und Schlagstöcken riegelten den zentralen Platz der Stadt ab, der für die Öffentlichkeit gesperrt ist.

Trotz des Sicherheitsaufgebots gingen gestern in Urumqi erneut mehrere hundert muslimische Uiguren auf die Strasse und forderten die Freilassung von verhafteten Demonstranten.

Die Polizei hatte nach den Auseinandersetzungen vom Sonntag mehr als 1400 Verdächtige festgenommen, wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag berichtete. Verhöre hätten begonnen.

Neue Aufstände geplant

Die Polizei vermutet, dass in anderen Orten Xinjiangs neue Aufstände geplant werden. Die Behörden kündigten «schärfste Massnahmen» an, um die Stabilität zu gewährleisten. Am Montag war die Polizei bereits in der Stadt Kashgar gegen Demonstranten vorgegangen, die sich in einer Moschee versammelt hatten.

Über 150 Tote

Nach offiziellen Angaben kamen bei den Unruhen in Xinjiang bisher 156 Menschen ums Leben, mehr als tausend Menschen wurden verletzt. Der Weltverband der Uiguren (WUC) sprach gar von über 800 Toten.
Die US-Regierung zeigte sich «tief besorgt» über die Ereignisse. Sie rief alle Seiten in Xinjiang zur Zurückhaltung auf.

Die im Exil lebende Uiguren-Führerin Rebiya Kadeer verurteilte aufs Schärfste den Einsatz exzessiver Gewalt der Sicherheitskräfte und forderte eine internationale Untersuchung. Die chinesische Regierung warf der Chefin des Uigurischen Weltkongresses dagegen vor, hinter den Ausschreitungen zu stecken.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International verlangte, dass Peking «vollständig Rechenschaft» über die Todesopfer ablege. Ausserdem müsse China die Verhaftungswelle nach den Unruhen erklären.

Benachteiligte Minderheit

Nach ersten Erkenntnissen hatten die Proteste am Sonntagabend begonnen, als Uiguren auf die Strasse gingen, um von der Regierung die Aufklärung des Todes zweier uigurischer Fabrikarbeiter im Juni zu verlangen.

Mit mehr als acht Millionen Menschen machen die Uiguren in der chinesischen Unruheprovinz Xinjiang etwa die Hälfte der Bevölkerung aus. Seit sich Peking das Gebiet 1955 als «Autonome Region» einverleibte und Han-Chinesen ansiedelte, kämpft das muslimische Turk-Volk für die Unabhängigkeit. (SDA/s5j)

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