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Frauen schon seit jeher eine wichtige Rolle in den Familien der Camorra eingenommen. Ihr Weg an die Spitze ist nicht selten blutig. Bekanntes Beispiel: Assunta Maresca oder «Pupetta» («Püppchen»). Sie erschoss in den 50-er Jahren hochschwanger einen Mafia-Führer. Als Rache für den Tod ihres Mannes, der zuvor auf eine Todesliste gesetzt worden war. «Pupetta» wurde zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt, vorzeitig entlassen – und heiratete gleich wieder einen Mafioso.
Heute spielen die Frauen der Mafiosi eine zunehmend wichtige Rolle. Denn seit Italien seinen Kampf gegen das organisierte Verbrechen verstärkt hat und immer mehr Capi eingebuchtet werden, werden Frauen zu Entscheidungsträgerinnen innerhalb der kriminellen Organisation.
«Sie halten immer mehr die Zügel in der Hand», sagt Mafia-Experte Gaetano Maruccia gegenüber «ABC News». «Mütter, Töchter oder Schwiegertöchter nehmen mehr denn je eine führende Rolle im Gefüge ein.» Man vertraue die kriminellen Geschäfte lieber jemandem aus der Familie an als einem Fremden.
Kokain, Heroin und Leichen auf den Strassen
Die Frauen der Camorra übernehmen dabei eher «traditionelle Rollen». Etwa das Schneiden und Verpacken von Kokain und Heroin in ihren Küchen oder das Verstecken von polizeilich Gesuchten. Andere aber haben mit dem Schutzgelderpressen von Ladeninhabern begonnen, sind direkt in das millionenschwere Drogengeschäft eingesteigen oder haben mit Auftragsmorden zu tun.
Berüchtigt etwa Maria Liccardi: Sie war federführend in einer Clan-Fehde und sorgte dafür, dass in den 90-er Jahren fast jeden Tag Leichen die Strassen von Neapel pflasterten. «Frau Liccardi ist eine wahre ‹madrina›. Als Schwester eines Paters sass sie mit allen hohen Tieren am selben Tisch und traf Entscheidungen mit», so Maruccia. 2001 wurde sie verhaftet.
Beleidigungen und Maschinenpistolen
2002 gingen Frauen zweier verfeindeter Clans in Lauro bei Neapel aufeinander los: Sie fuhren in Lastwagen vor, tauschten erste Beleidigungen aus, dann sprachen Maschinenpistolen. Bilanz: Zwei Grossmütter sowie eine 16-Jährige starben.
Oder Elmelinda Pagano (44), Frau von Drogenboss Raffaelle Amato. Sie wurde am 19. Mai dieses Jahres nur wenige Tage nach der Verhaftung ihres Mannes in Spanien festgenommen. Die Anklage lautet wie bei Ehemann Amato: mehrfacher Mord, Drogenhandel, Geldwäscherei.
Die Frauen der Mafia-Familien sind oft brutaler als ihre Männer. Es sind Geschichten überliefert, wo Opfer in ihren Küchen gefoltert und zerstückelt wurden. Die Frauen kochten ungerührt ihre Pasta weiter. «Sie eliminieren ihre Gegner und Rivalen gnadenlos», so Maruccia. «Es sind sehr entschlossene Frauen. Und sie verstehen es exzellent, eine Strategie auszutüfteln. Oft besser als ihre Männer.» (gux)