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Der Moment als die Mine einstürzte, dieser Moment, als keiner der Bergleute wusste, ob er je wieder das Tageslicht sehen würde: Das ist einer der Schlüsselmomente des Traumas, welches die verschütteten Kumpel nun verarbeiten müssen.
Und der könnte ihnen nach ihrer Rettung zum Verhängnis werden. Psychologe Michael Blumenfield sagt gegenüber «CNN»: «Sie werden Albträume und posttraumatischen Stress durchmachen. In ihren Träumen werden sie Rückblenden auf den Einsturz der Mine erleben, gefangen auf engstem Raum, ohne Aussicht auf Rettung.»
Flucht in den Alkohol
Eine hohe psychische Belastung für die Kumpel – und für ihre Angehörigen. Blumenfield geht noch weiter und sagt, zu was dies führen könnte. «Einige werden sich vielleicht in Alkohol oder Medikamente flüchten, um diesen Gefühlen zu entgehen.» Eine Spirale, die sich immer tiefer abwärst bewege.
Das bestätigt auch der Traumaexperte Georg Pieper, der bereits verschüttete Bergleute nach ihrer Rettung betreut hat: «Die Männer in Chile werden viele Monate lang Hilfe brauchen.»
Depressionen
Die plötzliche Trennung von Familie und Freunden werde unterschiedlich aufgenommen. Einige erlebten diese Erfahrung stärker, andere schwächer. Die Folgeschäden: «Depressionen oder Klaustrophobie», sagt der Experte.
Die wochenlange Dunkelheit habe die innere Uhr der Bergleute komplett durcheinander gebracht. Dies kann gemäss Michael Blumenfield zu Schlaflosigkeit führen. Jedoch, so der Psychologe, gäbe es ein paar Gründe, die die Bergleute vor negativen Folgen schützen würden.
Positive Umstände
«Niemand wurde getötet oder ernsthaft verletzt», so Blumenfield. Die Angst vor dem Tod in der Tiefe sei deswegen nicht so hoch gewesen, wie bei anderen Grubenunglücken. Ausserdem hätten sie sehr schnell verstanden, dass Rettung unterwegs sei. Dieser Umstand könnte sich für die Bewältigung des Alltags an der Oberfläche hilfreich sein.
Neben der psychischen Verfassung ist auch die körperliche Gesundheit ein Thema: Sehschwierigkeiten, Zahnschmerzen und Hautprobleme werden hier angeführt.
Enrique Chia, Psychologe an der katholischen Universität Chile, prognostiziert den Bergleuten aber eine gewaltige Umstellung: «Das alte Leben ist vorbei.»
Kapital aus Berühmtheit schlagen
Experten der US-Weltraumbehörde NASA, die die chilenischen Rettungstrupps im September beraten hatten, wiesen besonders auf die Auswirkungen der «hohen Bekanntheit im Land, den Druck durch die Medien und die Gesellschaft» hin.
«Einige Bergleute werden mit TV-Angeboten bombardiert werden. Sie können sogar Karriere machen», sagt René Rios, Soziologe an der Katholischen Universität von Chile. In etwa einem halben Jahr werde der Rummel um die Bergleute aber vorbei sein.
Der Psychologe Chía nimmt an, dass die Bergleute begreifen werden, wie begrenzt ihre Berühmtheit sei und dass sie daraus Kapital schlagen sollten, um dann ein neues Lebensprojekt zu beginnen. (num/SDA)