China-Proteste Jetzt bunkern sie die Uiguren ein

  • Publiziert: 08.07.2009, Aktualisiert: 03.01.2012

URUMQUI – Tausende, bis zu den Zähnen bewaffnete Soldaten, marschieren in Urumqui ein und besetzen die Stadt. Die Uiguren-Führerin spricht von 400 Toten.

China erstickt im Chaos. Seit Tagen ist das Uiguren-Gebiet Xinjiang von blutigen Protesten erschüttert. Die Regierung geht massiv und brutal gegen die Demonstranten vor. 156 Menschen starben bereits, 1400 fielen willkürlichen Verhaftungen zum Opfer (Blick.ch berichtete).

Jetzt haben die chinesischen Behörden das Sicherheitsaufgebot im Uiguren-Gebiet Xinjiang massiv verstärkt. Tausende Soldaten und Polizisten marschierten heute in der Provinzhauptstadt Urumqi auf, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Die mit automatischen Schusswaffen ausgerüsteten Sicherheitskräfte riegelten die von Uiguren bewohnten Viertel ab. Über der Stadt kreisten Helikopter der Armee.

Urumqi war gestern Schauplatz neuer Unruhen geworden. Mit Knüppeln, Schaufeln und Messern bewaffnete Han-Chinesen zogen durch die Strassen, um sich für die Übergriffe muslimischer Uiguren am Wochenende zu rächen.

Angesichts der blutigen Unruhen in seinem Land hat Chinas Präsident Hu Jintao seine Teilnahme am G8-Gipfel in der italienischen Stadt LAquila abgesagt. Hu unterbricht seine Reise nach Italien und kehrt so schnell wie möglich nach China zurück (Blick.ch berichtet).

Schuldzuweisungen

Chinas Aussenministeriumssprecher Qin Gang nannte die Unruhen in Urumqi ein «böses Morden, Brandschatzen und Plündern». Die Gewalt sei aus dem Ausland gesteuert gewesen und «von Verbrechern im Land» ausgeführt worden, sagte er bei einer Pressekonferenz in Peking.

Die Uiguren machen dagegen die chinesische Seite für die Gewalt verantwortlich. Ausgelöst worden waren die Proteste vom Tod zweier uigurischer Fabrikarbeiter Ende Juni im Süden Chinas.

Die EU mahnte sowohl die Regierung in China wie auch andere Beteiligte an den Unruhen zu «Zurückhaltung» und friedlicher Konfliktlösung.

Minderheiten in China wie Tibeter und Uiguren fühlen sich von den Han-Chinesen, die mehr als 90 Prozent der Bevölkerung ausmachen, diskriminiert. Sie beklagen vor allem politische und kulturelle Unterdrückung durch die Zentralregierung in Peking. (SDA/s5j)

Uiguren-Anführerin spricht von 400 Toten

Die im Exil lebende Uiguren-Führerin Rebiya Kadeer spricht von mittlerweile schon 400 Uiguren-Opfern. Die Polizei soll sie mit «Schüssen und Schlägen» abgeschlachtet haben. Bei ihren Angaben berief sich die 62-Jährige auf eigene Quellen in der Provinz Xinjiang, die von den Uiguren als Ostturkestan bezeichnet wird.

Besorgt zeigte sich die Uiguren-Führerin über verschärfte Sicherheitsmassnahmen der chinesischen Behörden wie Hausdurchsuchungen und Festnahmen. Kadeer verurteile die «übertriebene Gewalt gegen Demonstranten» zu tiefst.

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