Haiti-Horror Jedes zweite Kind hat Malaria

  • Aktualisiert am 03.01.2012
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PORT-AU-PRINCE – Die Situation in Haiti ist prekär. Den Opfern des Erdbebens drohen neben Vergewaltigungen, Gewalt und Kinderschmuggel nun auch noch Seuchen.

Drei Wochen nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti droht dem Land eine neue Katastrophe. Aufgrund der desolaten hygienischen Verhältnissen drohen Malaria, Cholera und das Denguefieber, wie «N24» berichtet.

Es fehlt vor allem an Toiletten und sauberem Wasser. In einem Lager beim zerstörten Präsidentenpalast gebe es eine einzige Toilette für 2.000 Menschen. Lastwagen würden zwar Wasser bringen, dieses sei aber oft verunreinigt.

Mücken brüten in Schutzwasser

Dennoch werde das Wasser mehrfach benutzt. Zuerst zum Zähneputzen, dann zum Waschen von Lebensmitteln, schliesslich zum Baden. In den Lachen des Schmutzwassers brüten Mücken, die Malaria und andere Krankheiten übertragen.

Ärzte berichten, dass bereits jetzt jedes zweite Kind, welches sie behandeln, mit Malaria infiziert sei. Kommt dazu, dass in acht Wochen die Regenzeit beginnt. Dann vermehren sich die Mücken übertragen am stärksten.

Uno startet Lebensmittel-Verteilung

Unter grossem Sicherheitsaufgebot hat das Welternährungsprogramm (WFP) der Uno gestern in Haiti mit einer grossangelegten Verteilung von Lebensmitteln begonnen. Soldaten der Uno-Mission und der US-Armee sowie einheimische Sicherheitskräfte überwachten die Aktion.

Mitarbeiter mehrerer Hilfsorganisationen gaben jeweils 25-Kilo-Säcke mit Reis aus. «Wir verteilen zu etwa 85 Prozent an Frauen, weil sie für ihre Familien sorgen», sagte ein Mitarbeiter der Organisation Goal. «Aber wenn es in einer Familie keine Frauen mehr gibt, werden natürlich auch Männer versorgt», fügte er hinzu.

Die Empfänger der Hilfe mussten sich durch einen Gutschein ausweisen. Im Stadtteil Petionville kam es zu lautstarken Protesten von Erdbebengeschädigten, die keinen Gutschein erhalten hatten. Gewaltsame Zwischenfälle wurden bislang keine bekannt.

Versorgung von zwei Millionen Menschen

Das WFP richtet 16 feste Verteilstellen in Port-au-Prince ein. In den kommenden beiden Wochen sollen auf diese Weise zwei Millionen Menschen mit Lebensmitteln versorgt werden. Die haitianische Regierung hat das Weiterverkaufen von Lebensmittelhilfe für illegal erklärt.

Viele Haitianer kritisieren den Einsatz der zahlreichen Sicherheitskräfte bei der Verteilung. «Die Soldaten schaffen erst Unruhen, weil sie die Leute einschüchtern und arrogant auftreten», sagte ein Beobachter. «Sie behandeln die Bedürftigen wie Unmündige.» (gca/SDA)

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