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Jean Ziegler nimmt nie ein Blatt vor den Mund. «Die Schweiz wäscht weisser» und «Die Schweiz, das Gold und die Toten» – mit diesen zwei Buchtiteln trug er sich von empörten Kritikern sogar den Ruf ein, ein Nestbeschmutzer zu sein.
In einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung» zieht Ziegler gegen die Schweizer Banken und das Bankgeheimnis vom Leder: «Der schweizerische Finanzplatz lebt von der Hehlerei, seit Urzeiten», sagt Ziegler. Und weiter: «Unser einziger Rohstoff ist das fremde Geld. Es kommt als Mafiakapital aus dem Osten, als Blutgeld aus der südlichen Welt – und es sind die Steuerfluchtmilliarden aus den umliegenden Demokratien. Allein aus Deutschland gibt es viele hundert Milliarden Euro Schwarzgeld.»
Er ist der Meinung, dass die Banken das ganze Land im Griff haben: «Die ganze Schweiz übt sich in Loyalität im Verhältnis zu den Banken. Es ist der Finanzindustrie gelungen, aus privaten Steuerbetrugsfällen einen interstaatlichen Konflikt zu machen», so der Soziologieprofessor.
Auch zur Rettung der UBS durch den Bund findet Ziegler deutliche Worte: «Das war Steuergeld! Und dann verteilt dieses verlotterte Institut an seine obersten Missetäter vier Milliarden Franken an Boni, aus Steuergeld.»
Und was schlägt Jean Ziegler vor, damit sich die Schweiz aus der Umklammerung befreien kann? «Die Schweiz müsste mea culpa sagen« und den automatischen Informationsaustausch in Steuersachen einführen. So würde sie wieder »ein anständiges Land« werden und der Werkplatz besser zur Geltung kommen. »Die Schweizer können etwas – es gibt hier unglaublich viel technisches und wissenschaftliches Know-how. Es würde eine grosse Befreiung sein", so Ziegler. (pft)
Jean Ziegler schlägt vor, die Schweiz solle sich im Steuerstreit mit einem «mea culpa» entschuldigen und den automatischen Informationsaustausch einführen.- Keystone