Jean Ziegler traf den Revolutionsführer neun Mal Er war Fidel Castros bester Schweizer Freund

BERN - Wohl kein anderer Schweizer hatte so oft Kontakt zu Fidel Castro wie der emeritierte Soziologieprofessor und alt SP-Nationalrat Jean Ziegler. Er war der einzige UNO-Sonderberichterstatter, den das Regime empfangen hat. Noch im Juni sprach Ziegler im Staatsfernsehen.

Neun Treffen mit Fidel Castro: Fidels bester Schweizer Freund erzählt play

Jean Ziegler im Februar 2015 in Genf.

Sabine Wunderlin

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Insgesamt neun Mal hat Ziegler Fidel Castro zwischen Ende der 60er-Jahre und 2006 getroffen. «Einige Male war ich bei ihm zuhause», sagte Ziegler am Samstag zur Nachrichtenagentur SDA.

Doch nicht nur mit dem Revolutionsführer und ehemaligen Staatschef stand Ziegler in Kontakt. Der Genfer Soziologe trat an der Akademie der Wissenschaften auf, und auch in seiner Rolle als UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung reiste er 2007 in den kommunistisch regierten Inselstaat. Er war der einzige Sonderberichterstatter, den das Regime empfangen hat.

TV-Rede statt Castro-Treffen im Juni

Letztmals war der 82-jährige Ziegler im Juni dieses Jahres in Kuba. Ein Treffen mit Fidel Castro kam wegen dessen Gesundheitszustand nicht zustande. Dafür wurde Ziegler eingeladen, im Staatsfernsehen eine Rede zu halten. Er ist überzeugt, dass dies Fidels Initiative war. «Er hatte zwar schon lange keine Befehlsbefugnis mehr, aber als Autorität und graue Eminenz nahm er nach wie vor Einfluss.»

Neun Treffen mit Fidel Castro: Fidels bester Schweizer Freund erzählt play

Fidel Castro im September 2003.

EPA/Alejandro Ernesto

 

Ob er zu den Trauerfeierlichkeiten nach Kuba reisen wird, will Ziegler noch am Wochenende entscheiden. Bereits am Samstagmorgen stand er in telefonischem Kontakt mit der kubanischen Botschaft.

«Fidel war kein enger Freund», sagt Ziegler. Zu Staatschefs unterhalte man keine engen persönlichen Freundschaften. Seine Beziehung zu Fidel sei die eines linken, anti-imperialistischen Intellektuellen aus Europa zu einem Revolutionsführer gewesen.

Herzlich, neugierig, offen und unkompliziert

Ziegler findet nur anerkennende Worte für Fidel - für den Mann, wie er betont, nicht für den Regierungschef. «Äusserst herzlich», neugierig, offen und unkompliziert sei er gewesen, sagt Ziegler.

Ein Dokumentarfilm über den streitbaren Genfer ist im August am Filmfestival Locarno gezeigt worden: «Jean Ziegler, l'optimisme de la volonté». Darin ist er ebenfalls in Kuba unterwegs. Je länger sich Ziegler im revolutionären Paradies aufhalte, schrieb ein Kritiker, desto stärker kollidiere seine Rhetorik mit dem kubanischen Alltag.

Publiziert am 26.11.2016 | Aktualisiert am 28.11.2016

Kuba unter den Castros – ein Rückblick

1. Januar 1959: Kubas diktatorischer Präsident Fulgencio Batista flieht. Sieben Tage später feiern Fidel Castros Truppen den Einzug in die Hauptstadt Havanna.

16. Februar 1959: Castro erklärt sich zum Ministerpräsidenten Kubas.

17. Mai 1959: Castro unterzeichnet die Agrarreform, die den privaten Landbesitz der Bauern begrenzt und damit Grossgrundbesitzer enteignet.

Februar 1960: Kuba unterzeichnet ein erstes Handelsabkommen mit der Sowjetunion.

Juni 1960: Die ersten US-Unternehmen auf Kuba werden verstaatlicht.

15. April 1961: Castro verkündet den «sozialistischen Charakter» der Kubanischen Revolution. Zwei Tage später beginnt die Invasion der von den USA unterstützten Exilkubaner in der Schweinebucht, die innerhalb von 72 Stunden von den kubanischen Truppen niedergeschlagen wird.

7. Februar 1962: Die USA verhängen ein totales Embargo über den Handel mit Kuba.

Oktober 1962: Die «Kubakrise» als Konfrontation der Supermächte USA und Sowjetunion bringt die Welt an den Rand eines Atomkriegs.

3. Oktober 1965: Gründung der Kommunistische Partei Kubas. Fidel Castro wird erster Generalsekretär, sein Bruder Raúl Vize.

13. März 1968: Kubas Führung beschliesst die Verstaatlichung aller Einrichtungen, die sich noch in kubanischem Privatbesitz befinden.

1972: Kuba schliesst sich dem Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe, der internationalen Organisation sozialistischer Staaten an.

1976: Mit einer Verfassungsreform wird Fidel Castro gleichzeitig zum Regierungschef und Staatsoberhaupt Kubas.

1990: Angesichts des zerfallenden Ostblocks setzt Kuba ein wirtschaftliches Notfallprogramm auf.

August 1993: Reformen sollen die Wirtschaftskrise abschwächen. Unter anderem wird die Arbeit auf eigene Rechnung und der Besitz von Dollars als Zahlungsmittel erlaubt.

Juni 2004: Die USA verschärfen ihr Embargo.

31. Juli 2006: Fidel Castro gibt die Führung aus gesundheitlichen Gründen an seinen Bruder und Vize Raúl ab - zunächst nur vorläufig.

18. Februar 2008: Fidel Castro tritt endgültig ab, Raúl wird kurz darauf Staatsoberhaupt und Regierungschef.

Mai 2010: Raúl Castro startet einen Dialog mit der katholischen Kirche, in dessen Folge 124 politische Gefangene freikommen.

11. Juli 2010: Erstmals seit vier Jahren tritt Fidel Castro in Havanna wieder öffentlich auf.

Oktober 2010: Die Regierung erlaubt die Gründung von kleinen Privatgeschäften in rund 180 verschiedenen Berufen.

April 2011: Raúl Castro kündigt Wirtschaftsreformen an. Kubaner dürfen künftig kleine Geschäfte betreiben und Arbeitskräfte beschäftigen.

Oktober 2012: Die Regierung kündigt mehr Reisefreiheit an.

24. Februar 2013: Raúl Castro gibt zu Beginn seiner zweiten Amtszeit bekannt, dass er die Präsidentschaft 2018 abgeben wird.

17. Dezember 2014: Kuba und die USA verkünden die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen nach über 50 Jahren Unterbrechung. Die Vereinbarung zwischen Raúl Castro und US-Präsident Barack Obama wird weltweit als Meilenstein gefeiert.

22. März 2016: Als erster amtierender US-Präsident seit fast 90 Jahren besucht US-Präsident Barack Obama Kuba.

20. April 2016: Fidel Castro zeigt sich noch einmal auf dem Kongress der Kommunistischen Partei und sinniert über seinen eigenen Tod: «Wir alle kommen an die Reihe.»

13. August 2016: Fidel Castro wird 90 Jahre alt.

25. November 2016: Fidel Castro stirbt im Alter von 90 Jahren in Havanna.

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8 Kommentare
  • Rocky  Stall aus Wiesendangen
    27.11.2016
    Jean Ziegler ist ein Romantiker - man gewinnt keine Freundschaft bei 10 Besuchent entsteht und wächst durch gegenseitigen Austausch und Verständnis. Wo wohl hat Fidel für sein Volk Verständnis gezeigt? Zudem hat sich Fidel auch gerne mit sog. "Superdemokraten" umgeben um weniger gefährlich zu wirken. Er hat schlussendlich sogar Gefährten umgebracht um politisch an die Macht zu kommen (CHE). Solch einen Freund braucht man nicht, auch wenn man nicht immer gleicher Meinung ist
  • alexander  geser aus oberengstringen
    26.11.2016
    Herr Ziegler ist verpflichtet, an der Beerdingszeremonie teilzunehmen. Es ist keine Schande zur Freundschaft an Fidel Castro zu stehen. Die Schweiz, das vergessen viele, hat viel dazu beigetragen, dass Cuba überlebt hat. Der frühere Diktator Batista gehörte weg - bestialisch hat er das Land regiert - die Leute hatten nichts, nicht mal eine Grundversorgung. Durch den mutigen Eingriff von Fidel Castro hat sich doch etwas geändert: Spitalversorgung, Aerzte u.s.w. wurde aufgebaut und funktioniert.
  • Beat  Müller aus Bern
    26.11.2016
    Es lässt sich einfach "guter Freund" sein von einem Diktator, der "sein" Volk Jahrzehnte unterdrückte, ihnen keine Reisemöglichkeiten, keine persönlichen Entwicklungen, keine freie Meinung lies.... ausgerechnet der Herr Ziegler, der so gewettert hat gegen den Fichenskandal, der Armeegegner etc.... naja so verkehrt sind eben die "Eliten"...
    • Daniel  Schlatter , via Facebook 26.11.2016
      Immerhin hat Castro Kuba aus den Fängen der USA befreit. Battista kam mit Hilfe des CIA putschte er sich 1952 wieder an die Macht und unterdrückte das Volk brutal. Die Revolution von Castro war eine Befreiung und brachte Bodenreform, Bildung und Gesundheitsversorgung für alle. Durch das Embargo der USA wurde er letztlich in die Fänge der UdSSR getrieben und war von da an überzeugter Sozialist bis zu seinem Tod. Aber jetzt will ja Trump Kuba zu Blüte verhelfen.....
  • Annemarie   Setz 26.11.2016
    Fidel Castro hat viel Gutes geschaffen, hat der Bevölkerung eine medizinische Versorgung ermöglicht, die nicht Arm und Reich unterschied. Ein Land wie Indien, das mit seinem Kastenwesen die Einen an den Rand und in den Schmutz drängt, während andere im Luxus leben, könnte sich ein Beispiel nehmen. Es wäre also nicht richtig, Castros Regime zu torpedieren, und war auch von Amerika nicht richtig. Dennoch, Kommunismus ist keine Lösung. Ein Land bleibt stehen, ohne persönliche Energie und Dankdafür
  • Annemarie   Setz 26.11.2016
    Fidel Castro hat Gutes gewollt und auch Gutes geleistet für die Bevölkerung. Es wäre nicht richtig, seine Regierung zu torpedieren, wie es die Amerikaner machten. Seine Gesundheitsreform für alle Menschen im Land dürfte noch heute ein Beispiel sein, so für ein Land wie Indien, in die einen luxurös betreut werden und die andern in der Gosse vegetieren. Das Problem ist, das der Kommunismus letztlich ein Land eben doch nicht voranbringt.Und das war und ist das Problem Kubas.
    • Ueli  Sommaruga aus Cebu City
      26.11.2016
      Bin ganz Ihrer Meinung, jedoch kann mir jemand ein Land (incl.Bevoelkerung) nennen das sich durch den Kapitalismus verbessert hat?