Italienische Opfer leiden gleich doppelt Nach dem Erdbeben kommt die Mafia

ROM - Wenn in Italien die Erde bebt, reibt sich die Mafia die Hände. Sie will sich von den Hilfsgeldern wieder eine dicke Scheibe abschneiden.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Drama auf der Wildsau-Pirsch Jäger trifft Liebespaar – tödlich
2 Schweizer Mädchen Que (6) und Mutter wieder vereint Jetzt spricht...
3 Trump über Merkel, Aleppo und Nuklearwaffen Der Zerfall der EU ist...

Ausland

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
7 shares
7 Kommentare
Fehler
Melden

Gleich dreimal hat in Mittelitalien seit dem 24. August die Erde gebebt. Es gab gegen 300 Tote. Nach dem jüngsten Beben mit einer Stärke von 6,5 am Sonntagmorgen  sind rund 100’000 Menschen obdachlos. Und das kurz bevor der Winter kommt.

Ganze Städte sind zerstört. Der 5000-Einwohner-Gemeinde Norcia, dem Epizentrum des Bebens am Sonntag, droht das Aussterben. Der ganze Stadtkern ist wegen Einsturzgefahr abgeriegelt.

  Die italienische Regierung verspricht: Wir werden die Orte möglichst schnell wieder aufbauen. Das sind gute Nachrichten, die auch die Mafia freuen. Denn sie versteht es immer wieder, aus der Not der Menschen zu profitieren: Das Geld fliesst rasch, und die Kontrollen sind lasch. Bauausschreibungen lassen sich leicht manipulieren, um Aufträge hereinzuholen.

Mafia-Familien zogen um

Giuseppe Pisanu sagte 2010 als damaliger Chef der parlamentarischen Anti-Mafia-Kommission in der «Süddeutschen Zeitung»: «Nach dem Erdbeben 1996 in Umbrien zogen ganze Ndrangheta-Familien dorthin, um sich am Aufbau zu beteiligen.»

Italy Quake play
Zutritt gefährlich: Mönche mit Helm vor der eingestürzten Basilika in Norcia.  AP

Noch schlimmer war es nach dem Beben von 1980 bei Neapel mit 3000 Toten. Ein grosser Teil des vielen Geldes kam gar nie bei den Opfern an, weil es Comorra-Clans, korrupte Lokalpolitiker und unehrenhafte Unternehmer abzweigten. Noch heute hausen Tausende Menschen in Notunterkünften.

Beim grossen Beben, das 2009 die Stadt L’Aquila zerstörte und 309 Tote forderte, lief es wieder ähnlich. Aus einer Milliarde Euro wurden zwar provisorische Wohnungen gebaut. Doch für das viele Geld waren sie von bescheidener Qualität. Auf seiner Homepage pries ein Bauherr die Häuser als modern und erdbebensicher an. In Wahrheit widerstehen die Bauten laut italienischen Medien nicht einmal dem Regen.

Italian Premier Matteo Renzi play
Verspricht Hilfe: Premier Matteo Renzi.  KEY

Wegen Verdachts auf schweren Betrug wurden im Fall von L’Aquila 37 Personen festgenommen. Darunter befinden sich der Unternehmer, Ingenieure, Architekten und auch Baukontrolleure.

Mafia-Jäger aufgeboten

Am Montag beriet der italienische Regierungschef Matteo Renzi im Kabinett über Massnahmen für die Erdbebenopfer in Mittelitalien. Um sicherzustellen, dass das Geld auch ankommt, forderte Renzi die unabhängige Antikorruptionsagentur Anac auf, sämtliche Zahlungen und Bauarbeiten zu kontrollieren.

Zu hoffen ist nur, dass nicht auch die Anac selber von Mafia-Mitgliedern unterwandert ist. (gf)

Publiziert am 31.10.2016 | Aktualisiert am 03.12.2016
teilen
teilen
7 shares
7 Kommentare
Fehler
Melden

7 Kommentare
  • Beat  Küng aus Bellinzona
    01.11.2016
    Wer eine Versicherung hat, dem kann das egal sein. Die übernimmt dann die Kosten. Wer keine hat, selber schuld.
    • Giuseppe  Guerra 02.11.2016
      Die Versicherungen sind so eine Sache.Hat es überhaupt eine Erdbebenversicherung?Wenn ja,wird die so hoch sein,das es die Leute sich nicht leisten können.Beispiel Lebensmittelgeschäfte,mussten einen nach Norm einen bestimmten Boden rein machen.Später kam eine Luxussteuer,weil der Boden rein gemacht wurde.Die Versicherungen sind nicht dumm,die haben sicher auch so grosse Policen. So ist Italien,da braucht es keine Mafia.Das fängt ja schon bei der Regierung an.
  • Daniela  Ponti 01.11.2016
    Mafiöse Strukturen gibt es auch in der Schweiz. Viele Restaurantbesitzer können davon ein Liedchen singen. Deren Angst blüht versteckt. Weil der Staat sie nicht schützt. Weil die Mafia stärker, cleverer ist, als feige Politiker und schwache Polizisten.
  • Regula  Rütli aus Luzern
    01.11.2016
    Nichts anderes habe ich bereits vor einigen Tagen zu diesem Thema geschrieben und dafür eine Menge Daumen nach unten kassiert. Aber ich kenne Italien und weiss, wie Italiener ticken. Daher ja leider auch mein Pessimismus!
    • Giuseppe  Guerra 02.11.2016
      Ich gebe ihnen eigentlich Recht,aber wie der einfache Italiener tickt,können sie nicht wissen.Man muss Jahre lang dort gelebt haben.Teilweise kann man nicht einmal wissen,ob der Nachbar oder sogar ein Verwandter der Mafia dazu gehört.Habe mal ein Onkel wegen Schutzgelder gefragt.Er ist der Frage ausgewichen.Die haben Angst,weil plötzlich das Geschäft in Flammen steht oder jemanden aus der Familie was passiert.Nichts sehen,nichts hören,schon gar nichts sprechen.Das ist leider in Italien so.
  • Thomas  Zürcher 31.10.2016
    ....und wie immer Geld und Gier,Geissel der Menschheit die überall für Katastrophen sorgt, im Kleinen wie im Grossen.Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern.
  • Ruedi  Frauchiger aus Egg
    31.10.2016
    Das ist ja das Problem. Wenn man nicht will, dass das Spendengeld in Mafiataschen landet, darf man gar nichts spenden. So einfach, aber himmeltraurig ist es. Es liegt an den Italienern, dies zu ändern. Ich jedenfalls werde nichts geben.