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Nach Blut-Attacke: Ist Berlusconi bald am Ende?

MAILAND – Es ist einfach nicht Silvio Berlusconis Jahr. Gestern kriegte er noch eins ins Gesicht geschlagen. Dabei hat er schon genug Ärger am Hals.

Aktualisiert um 18:09 | 14.12.2009
Auf dem Weg zur gestrigen Wahlkampfveranstaltung fragte Silvio Berlusconi seinen Staatssekretär: «Findest du nicht, dass es ein exzessives Klima des Hasses gibt? Ich fürchte etwas. Hoffen wir, dass nichts passiert.»

Silvio Berlusconis Hoffnung sollte sich nicht erfüllen. Massimo Tartaglia (42) schlug dem italienischen Ministerpräsidenten gestern einen Mini-Version des Mailänder Doms ins Gesicht. Mit Folgen: blutige Lippen, Nase angebrochen, zwei Zähne fehlen. Eine Unterlippenverletzung musste zugenäht werden. Ein chirurgischer Eingriff ist jedoch nicht nötig. Mindestens bis Dienstag muss er aber im Spital bleiben.

«Er leidet wegen Hass gegen ihn»


Dauergrinser Berlusconi ist das Lachen vergangen. «Berlusconi leidet nicht nur wegen der Verletzungen, sondern vor allem wegen des politischen Hasses gegen ihn», sagte Senatspräsident Renato Schifani nach dem Krankenhaus-Besuch bei Berlusconi. «Er begreift die Gründe dieser Gewalt nicht.»

Dabei meinen Kritiker, dass genau Berlusconi nicht über Gewalt urteilen sollte. «Er ist selbst für dieses Klima verantwortlich», sagte Oppositionspolitikerin Rosa Bindi. Sie äusserte zwar ihr Bedauern über den Übergriff, forderte den Premier jedoch auf, sich nicht als «Opfer» darzustellen.

Zu Beginn der Veranstaltung wurde der 73-Jährige ausgebuht, ausgepfiffen und als «Clown» bezeichnet. Der Premier rief ihnen darauf mehrfach zu, sie sollten sich schämen.

Trennung, Escort-Girls, Mafia


Damit geht für Berlusconi ein Jahr zu Ende, das es in sich hatte. Der Politiker gerät zunehmend in Bedrängnis. Privat war erst einmal die öffentliche Schlammschlacht mit seiner Frau, die sich nach zahlreichen Sex-Abenteuern von ihm trennte und die Scheidung einreichte. Dann meldeten sich die diversen Sex-Gespielinnen und präsentierten immer pikantere Details aus den nächtlichen Besuchen beim «Cavaliere».

Doch dem nicht genug: Auf dem politischen Parkett ist Berlusconi längst nicht mehr überzeugend. Nun werden ihm Mafiakontakte nachgesagt. Der im Knast sitzende Ex-Mafiakiller Gaspare Spatuzza hatte vor Gericht von einem Treffen mit dem Clanchef Filippo Graviao berichtet. Graviao soll mit Kontakten zum damals politisch noch nicht aktiven Berlusconi geprahlt haben.

Der Politiker hat aber noch mehr Ärger mit der italienischen Justiz. Bald soll der Prozess um die Bestechung des englischen Anwalts David Mills wieder aufgenommen. Und seit im Oktober Berlusconis Immunität aufgehoben wurde, könnte auch Berlusconi vor Gericht zitiert werden.

Er sieht sich immer als Opfer


Falls Berlusconi angeklagt wird, dürfte seine politische Karriere vor dem Aus stehen – auch in Italien. Man munkelt, dass in seiner Partei die ersten Vorbereitungen für die Zeit nach dem «Cavaliere» getroffen werden. Erst letzte Woche demonstrierten über 100´000 Menschen in Rom auf die Strasse, um gegen Berlusconis Sparprogramm zu demonstrieren.

An einem hält Berlusconi aber auch in schlechten Zeiten fest: Die Opferrolle hat er gepachtet. Er ist «Opfer der Menschenjagd», die Zeitungen haben «Dinge verdreht» und die Justiz fährt eine «Kampagne gegen ihn». Da sind wenigstens die Landsleute, die ihm jetzt vor dem Spital mit dem Plakat «Die wahren Italiener sind immer bei dir» Besserung wünschen, ein Trost. Nur sind das nicht so viele. Dafür erlebt die Tatwaffe, der Mini-Dom, einen wahren Boom. Die Stände um den gotischen Dom herum sind heute geradezu gestürmt worden. (spj/SDA)
Die Tatwaffe: Mit einem solchen Mini-Dom schlug der 42-Jährige zu. (Keystone)
Die Tatwaffe: Mit einem solchen Mini-Dom schlug der 42-Jährige zu. (Keystone)
Täter Tartaglia: Er ist seit zehn Jahren wegen psychischer Probleme in Behandlung. (Reuters)
Täter Tartaglia: Er ist seit zehn Jahren wegen psychischer Probleme in Behandlung. (Reuters)


Das sagen Blick.ch-Leser
Emil Sauer, Frankfurt - 11:32 | 15.12.2009
» ARMES ITALIEN! Nr.01 S.Berlusconi Nr.02 S.Berlusconi Nr.03 S.Berlusconi Nr.04???????? meldet EUCH!
Polo Graf, Bern - 01:09 | 15.12.2009
» Ohne Berlusconi am Ruder ging's ja vorher überhaupt nicht in Italien ... und nachher wird's wohl nichts mehr zum grinsen geben. Dieser ausgeflippte Typ gefällt mir. Er hat die italienische Economie in kurzer Zeit auf Nr. 3 in Europa gebracht... ist das etwa nichts? Und Neapel? Hat er da nicht mit der Armee die Megasauerei aufgeräumt? Einen solchen 1000-sasa finden unsere Freunde im Süden unten n i e wieder! Ich wünsche Silvio rasch wieder guten Boden unter den Füssen... ciao
Thomas Fisher, Zürich - 00:36 | 15.12.2009
» @DANNY ZUBERBÜHLER, ZÜRICH - 18:55 | 14.12.2009 Der Kommentar gefällt mir;-)
Martin Amsler, Allschwil - 23:56 | 14.12.2009
» Als ich das in den Nachrichten verfolgt habe, hatte ich gejubelt:) Berlusconi hat endlich einmal eins auf seine Gosche bekommen! Meine Meinung nach gehört Berlusconi hinter schloss und Riegel und der Sogennannte Attentäter auf freiem Fuss.
Fabio Vannoni, Italia - 20:18 | 14.12.2009
» Berlusconi am Ende? Toll, und wer kommt nach ihm, Francesco Totti? Berlusconi mag auch ein Schürzenjäger und Dauergrinser sein, aber müsste er zwei Geiseln aus Lybien zurückholen, er hätte sie sicher schon längst wieder in Italien. Und so hat jedes Land die Politiker die es verdient. Seinem Nachfolger, falls es überhaupt einen gibt der sich das ganze antun will, wünsche ich auf jeden Fall jetzt schon viel Glück. Für das Fussvolk Italiens wird sich sowieso nichts ändern.
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