ASCHDOD – Beim israelischen Militäreinsatz gegen einen Schiffskonvoi mit Hilfsgütern für Gaza starben neun Menschen. 480 Aktivisten wurden festgenommen. Auch Henning Mankell soll sich in Gewahrsam befinden.
Nach dem blutigen Militäreinsatz Israels gegen die Gaza-Hilfsflotte im Mittelmeer sind bislang 480 internationale Aktivisten ins Gefängnis gebracht worden. Das staatliche Radio meldete, Sicherheitskräfte hätten sie im Verlauf der Nacht in das Gefängnis Beerscheva in der Negev-Wüste transportiert.
Sie sollen dort verhört werden. 48 weitere Aktivisten seien zum internationalen Flughafen Ben Gurion gebracht worden und sollen direkt abgeschoben werde.
Auch der schwedische Bestseller-Autor Henning Mankell befindet sich in israelischem Gewahrsam. Wie der Radiosender SR heute unter Berufung auf das Stockholmer Aussenministerium meldete, muss sich Mankell wie die zehn anderen schwedischen Aktivisten entscheiden, ob er Israel sofort verlassen will oder sich dort vor Gericht stellt.
Zwei schwedische Aktivisten vermisst
Weiter hiess es, vier der Schweden hätten sich für das Gerichtsverfahren entschieden und seien deshalb in das Gefängnis Beerscheva gebracht worden. Mankell und vier seiner Landsleute hätten sich bisher nicht entschieden. Sie werden weiter in der Hafenstadt Aschdod festgehalten. Der Verbleib von zwei Schweden gilt als unbekannt.
45 Aktivisten in ärtzlicher Behandlung
Laut israelischen Medien sind noch 45 internationale Aktivisten in ärztlicher Behandlung. Sie befänden sich in verschiedenen Spitälern in Israel. Die meisten von ihnen seien Türken, Passagiere der angegriffenen «Marmara».
Nach Angaben der Organisation «Free Gaza» hat sich der gestrige Vorfall in internationalen Gewässern im Mittelmeer ereignet – etwa 140 Kilometer vor der israelischen Küste. Sollte sichd ies bestätigen, wäre dies ein klarer Verstoss Israels gegen das Völkerrecht (Blick.ch berichtete: Wie weit darf Israel gehen, Herr Tilgner?)
Die israelische Armee macht gewaltbereite Aktivisten für den blutigen Zwischenfall verantwortlich. Ein Elitesoldat berichtete: «Sie haben uns mit Metallstöcken und Messern angegriffen.» Auf die Soldaten sei auch geschossen worden. Etwa 30 arabisch sprechende Aktivisten hätten sich am Angriff beteiligt.
Israel beharrt auf Gaza-Blockade
Die Organisation «Free Gaza» bestreitet die Vorwürfe. «Die Soldaten haben begonnen zu schiessen, sobald sie an Bord kamen», sagte Audrey Bomse von «Free Gaza» und verwies auf Videoaufnahmen von Bord der «Marmara».
Die israelische Armee sprach von mindestens neun Toten. Ausserdem seien sieben israelische Soldaten verletzt worden. Ministerpräsident Netanjahu drückte während eines Besuchs in Kanada sein Bedauern über die Toten aus.
Er betonte aber zugleich, dass die Blockade des Gazastreifens fortgesetzt würde. Seit der Machtübernahme der radikal-islamischen Hamas im Jahr 2007 ist der dicht besiedelte Küstenstreifen fast vollständig abgeriegelt. (gux/SDA)
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War einer der Aktivisten auf der «Solidaritätsflotte»: Kurt-Wallander-Autor Henning Mankell. (Reuters)
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