Jerusalem – Die israelischen Behörden haben am Sonntag die Räumung der im Westjordanland gelegenen jüdischen Siedlung Migron eingeleitet. Einige Familien haben ihre Häuser bereits am Morgen freiwillig verlassen.
Die übrigen seien aufgefordert worden, bis spätestens Dienstag zu folgen, sagte Polizeisprecher Micky Rosenfeld. Die Räumung der etwa 15 Kilometer nördlich von Jerusalem gelegenen Siedlung verlief nach Angaben des israelischen Militärs zunächst friedlich.
Ein Gericht hatte bereits vor rund einem Jahr die Unrechtmässigkeit der Siedlung festgestellt. Doch wegen zahlreicher Einwände vor Gericht kam es zu Verzögerungen bei der Auflösung von Migron. Das Oberste Gericht des Landes erklärte die Ortschaft schliesslich am Mittwoch für illegal und ordnete den Abriss der Häuser an.
Ein Antrag auf einen Aufschub um drei Jahre wurde abgelehnt. Sprecher der Siedler und ultranationalistische Abgeordnete kritisierten die Entscheidung des Gerichts scharf. Die Siedlung, in der bis zuletzt 300 Menschen lebten, wurde ab 2001 auf privatem palästinensischen Boden errichtet.
Die Behörden befürchten, dass es angesichts der Zwangsräumung zu gewaltsamen Zwischenfällen kommen könnte. Israelische Medien berichteten am Sonntag, dutzende jugendliche Aktivisten hätten sich auf einem Hausdach verschanzt. Sie wollten die Räumungsarbeiten stören.
Polizeisprecher Rosenfeld sagte, man habe Strassensperren errichtet, um radikale Aktivisten aus der Umgebung aufzuhalten. Sollte es keine grösseren Zwischenfälle geben, erwarte er, dass die Räumung binnen 24 Stunden beendet werden könne.
Die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat den Siedlern Unterkünfte in zwei Kilometern Entfernung angeboten. Nach internationalem Recht ist jedoch auch diese Siedlung ebenso wie alle anderen jüdischen Siedlungen im Westjordanland illegal.