
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
play
Sind die Luxus-Spas lauter «unanständige Bordelle»?
(Keystone)Wenn Trauminseln die wichtigste Branche eines Landes sind, dann wird mit diesen Inselträumen auch Politik gemacht. Verlogene Politik. Nun stolpert also Mohamed Nasheed (44), der junge Präsident der Malediven, über die Heuchelei. Über die Tatsache, dass man ausgerechnet in dieser völlig vom Tourismus abhängigen Inselnation gern schimpft über «schweinische» westliche Bikini-Gäste.
Am Jahresende wollte Nasheed die Gegner austricksen. Denn seine Opposition besteht vor allem aus islamistischen Parteien, deren Anhänger auf Studienreisen in Saudi-Arabien wahabitische Frömmelei eingetrichtert bekommen.
Das Verlogene: Die reichen Oppositionsführer leben selber gut von ihren vielen Ferienresorts. Gleichzeitig verteufeln sie Wellness-Spas als «Brutstätten der Prostitution». Als «Bordelle», in denen Alkohol getrunken und «unanständige» Musik gehört werde. Touristen kriegen das ja nicht mit. Bei arbeitslosen Maledivern abseits der Ferieninseln kommt es aber gut an.
Am 30. Dezember überraschte Nasheed die Saubermänner und liess die Spas schliessen. Die Reiseveranstalter waren geschockt. Und die Oppositionsführer, die einige Tage zuvor eine grosse Anti-Spa-Demo organisiert hatten, sagten plötzlich: Sie seien nur gegen «wirklich schlimme» Spas.
Nasheed hob den Bann eine Woche später wieder auf. Seither liessen ihn die blamierten Islamisten nicht mehr in Ruhe.
Gestern gab Nasheed den wochenlangen Demonstrationen auf der Hauptinsel Male nach. Er trat zurück und liess den Vizepräsidenten Mohammed Waheed Hassan (59) vereidigen. «Es ist besser für das Land, wenn ich gehe», sagte Nasheed: «Ich will nicht mit eiserner Faust regieren.» Ein erstaunliches Statement in einem Land, in dem die eiserne Faust bis vor vier Jahren üblich war.
Damals herrschte noch Maumun Abdul Gayum (74). Er und sein Clan rissen sich in 30 Jahren einen Grossteil der Hotels unter den Nagel. Und unterdrückten die Malediver mit Polizeigewalt und Folter. Erst 2008 musste er wirklich demokratisch wählen lassen. Bürgerrechtler Nasheed gewann.
Der junge Malediven-Präsident versuchte das Gesundheitssystem zu verbessern, bekämpfte die Korruption und mahnte die Welt unermüdlich, dass der Klimawandel die Malediven untergehen lasse.
Zudem setzte er sich zaghaft für religiöse Toleranz ein. Doch das war seinen frommen Landsleuten offenbar zu viel. Und das verheisst Böses für die touristische Zukunft des Landes. Das ist schlimmer als jeder Treibhauseffekt.
Kommentare (13)