Tierpräparator Lorenzo V. wollte aussterbende Tiere fotografieren Islamisten entführten Schweizer Hobbyforscher

ST. GALLEN - Er wollte einen seltenen Vogel fotografieren. Jetzt ist der St. Galler Tierpräparator Lorenzo V.* (47) aus Grub SG in den Händen von Terroristen.

  • Publiziert: 01.02.2012, Aktualisiert: 02.02.2012
  • Von Patrik Berger, Ann Guenter und Marlene Kovacs

Der Tierpräparator hat sich mit der zehntägigen Reise auf die philippinische Inselgruppe Tawi-Tawi einen grossen Wunsch erfüllt. «Er hatte kürzlich erfahren, dass auf einer kleinen Insel der Regenwald zum Abholzen freigegeben wurde», sagt Jonas Barandun, Arbeitskollege am Naturmuseum St. Gallen. «Auf dieser Insel lebt eine gefährdete Nashornvogel-Art. Es war wohl die letzte Chance, diese Tiere noch zu sehen und zu fotografieren.»

Seither fehlt jede Spur von Lorenzo V. und seinem Kollegen Ewold H.* (52) aus Groningen (Niederlande). Gestern wurde klar: Die beiden wurden entführt.

Das Überfallkommando passte den Vogelfreunden an der Küste vor dem philippinischen Inselörtchen Panglima Sugala ab. Fünf düstere Gestalten steuerten am Dienstag kurz vor 14 Uhr mit einem Motorschiff auf das Fischerboot der Touristen zu. Mit M-16-Gewehren, Pistolen und einem Granatenwerfer brachten sie die Touristen in ihre Gewalt.

Lorenzo V. hat zwei kleine Kinder

Auch Museumsdirektor Toni Bürgin (54) ist geschockt. «Lorenzo hat sich so auf die Reise und auf die Vögel gefreut. Er ist ein begeisterter Vogelbeobachter. Vor allem Nashornvögel haben es ihm angetan», erzählt Bürgin. «Unser Museum ist klein. Deshalb hat Lorenzo bei uns eine tragende Funktion. Wir fürchten um sein Leben. Ich fühle sehr mit seinen Kindern und der Familie mit.»

Lorenzo V. arbeitet seit rund 30 Jahren als zoologischer Präparator. Das Haus des Familienvaters – er hat eine Tochter (6) und einen Sohn (4) – gleicht einem Museum, im Foyer steht sogar ein ausgestopfter Eisbär.

Auch Lorenzos holländischer Reisebegleiter Ewold H.  ist Tierpräparator. Beide seien eng miteinander befreundet, so Ewolds Frau Piola. «Es war einer ihrer letzten Tage auf den Inseln!»

Noch gibt es keine Forderungen

Jetzt müssen sich die Freunde in der Geiselhaft gegenseitig Trost spenden. «Die Situation ist sehr schwer für uns, wir wissen ja gar nichts!», sagt Lorenzos Schwiegermutter gestern. Bis zur Entführung habe er sich täglich gemeldet, wenigstens ein SMS geschickt. Seit Dienstag bleibt das Handy seiner Frau Yvonne still.

Noch haben sich die Entführer nicht mit Forderungen gemeldet. Die Inselgruppe Tawi-Tawi gehört zur autonomen Region Muslimisches Mindanao. Immer wieder bringt die Terrorsekte Abu Sayyaf Ausländer in ihre Gewalt. Wie den Schweizer IKRK-Mitarbeiter Andreas Notter, der 93 Tage lang im Dschungel der Insel Jolo gefangen war.

Doch Lorenzo V.s Chef Toni Bürgin gibt die Hoffnung noch lange nicht auf. «Ich drücke Lorenzo alle Daumen. Er ist kein Abenteurer, er hat sich auf die Reise gut vorbereitet.»

* Namen bekannt

War der Vogeltrip in die Krisenregion leichtsinnig?»

Kommentare (14)

  • roland  adam , münster
    Was für ein Zynismus hier -als waeren Menschenleben weniger wert als Steuergelder -kein Gedanke an die Familien -nur häme

    Ich möchte so nicht sein und schäme mich für diese Mitmenschen -die das Leid ganz weit hintenan stellen
    • 03.02.2012
    • 0 Gefällt mir
  • Marco  Müller , Bern
    Selber schuld. Schade ist nur, dass jetzt der Steuerzahler wieder in die Tasche greifen muss.
    • 02.02.2012
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  • Vogel  Franz
    ich schliesse mich dem Komentar von Paul Arnold an.
    Gruss Franz Vogel La Union
    • 02.02.2012
    • 1 Gefällt mir
  • Bruce  Wayne
    Reisehinweise des EDA sollte man befolgen, die sprechen eine glasklare Sprache: "Sulu-Archipel Inseln Basilan, Jolo, Sulu, Tawi-Tawi etc.: Von Besuchen des gesamten Archipels wird abgeraten, da dort Terrorgruppen aktiv sind und militärische Operationen durchgeführt werden. Am 15. Januar 2009 wurden auf Jolo drei Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz entführt. Das Entführungsrisiko besteht im gesamten Archipel."
    • 02.02.2012
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  • Marco  Gut
    Schreibt doch auch mal was Gutes über die Philippinen nicht nur wenn jemand im Drogensumpf getötet wird weill er sich mit den falschen Leuten eingelassenhat oder weil jemand verschwindet in einem Gebiet wo nicht mal Locals hin gehen....... Es gibt genug schöne Dinge über dieses Land zu berichten.
    Bin Ihrer Meinung Herr Arnold
    • 02.02.2012
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