Ja zu Minarett-Verbot Islamische Welt reagiert entsetzt

  • Publiziert: 29.11.2009, Aktualisiert: 14.01.2012

Die Reaktion muslimischer Staaten auf das Minarett-Verbot in der Schweiz tendiert von überrascht bis schockiert. Gewalttätige Reaktionen seien jedoch nicht zu erwarten.

Muslime in Österreich und Deutschland bedauerten das Minarett- Verbot in der Schweiz. Für den Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Deutschland zeigt das Ja, dass die europäischen Gesellschaften noch nicht ganz reif für die Einwanderung seien.Gleichzeitig äusserte er grundsätzliche Zweifel, ob derartige Abstimmungen über religiöse Fragen überhaupt organisiert werden sollten. Über Religionsfreiheit könne ebenso wenig abgestimmt werden wie über Meinungsfreiheit.Vorwurf des blanken Egoismus«Die Schweiz hat nicht rassistisch abgestimmt. Es war wohl vielmehr blanker Egoismus und die Sorge, dass jemand des Volkes Ruhe stören könnte», sagte Anouar Abou Eisheh, Rechtsprofessor an der Al- Quds-Universität in Ost-Jerusalem.Das Abstimmungergebnis liefere den muslimischen Extremisten Argumente für ihren Kampf gegen den Westen. Für sie sei der Entscheid eine frontale Attacke gegen den Islam und seine Symbole. Er hoffe, dass das Beispiel in Europa nicht Schule mache.Ansehen der Schweiz leidetGewalttätige Reaktionen sind jedoch nach Ansicht von Babacar Ba, Botschafter der Organisation der islamischen Konferenz (OCI), nicht zu erwarten.Die Schweizer Regierung habe klar gegen die Initiative Stellung genommen. Das Ansehen der Schweiz in den islamischen Ländern leide aber, sagte Ba auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.In den arabischen Medien warf das Minarett-Verbot hohe Wellen. Die Reaktionen reichten von Überraschung, Unverständnis und Enttäuschung bis hin zu blanker Wut. Es werde befürchtet, dass sich die Schweiz von ihren traditionell liberalen Werten abwende, sagte Hasni Abidi, Direktor des arabischen Forschungszentrums in Genf.Argumente für GaddafiDas Minarett-Verbot liefere dem libyschen Staatschef Muammar Gaddafi zusätzliche Munition im Streit um die beiden festgehaltenen Schweizer Geschäftsleute. Libyen habe seit Beginn der Krise der Schweiz Rassismus gegenüber der arabischen Welt vorgeworfen.Das Abstimmungsergebnis ist nach Ansicht des ägyptischen Grossmuftis Ali Gomaa ein Warnzeichen, dass die versteckten Ängste in der Bevölkerung ernst genommen werden müssen. Der Integration unterschiedlicher Kulturen gelte es weltweit Priorität einzuräumen, sagte Gomaa gegenüber Swissinfo. Der Islam sei dazu bereit. (SDA/lec)

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