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Die Rede von Bush zur Lage im Irak war mit grösster Spannung erwartet worden. Die grosse Frage war: Wird der Präsident endlich einen echten Truppenrückzug bekannt geben?
Auf die klare Antwort durch ihren obersten Befehlshaber selbst müssen die Amerikaner weiter warten. «Unsere Soldaten leisten brillante Arbeit», versicherte Bush (siehe den Link zum Artikel «Die Rede im Wortlaut»). Das glauben aber immer weniger Menschen.
Wer aber nur ein bisschen Rechnen gelernt hat, kann sich die Antwort selbst geben.
Am Anfang dieses Jahrs standen im Irak gut 130000 US-Soldaten. Dann stockte Bush sie durch 30000 Soldaten auf, um den tagtäglichen Horror durch Selbstmordanschläge zu kontern. Heute stehen 168000 US-Soldaten im Irak im Einsatz im Einsatz, so viel wie noch nie im ganzen Krieg!
Nun hat Bush angekündigt, bis zum nächsten Sommer 30000 abzuziehen. Womit wir wieder beim Stand von Anfang von 2007 wären. Das möchte Bush als Fortschritt verkaufen.
Andere sehen das anders. Denn weder will Bush die Truppen so reduzieren, wie es sich immer mehr Menschen wünschen in den USA. Noch will er einen Zeitpunkt bekannt geben, an dem alle US-Soldaten wieder zu Hause sind – die wichtigste Frage überhaupt.
Zu diesem Punkt sagte Bush nur: Noch bis über das Ende seiner Amtszeit im Januar 2009 hinaus müssten die USA dem Irak militärisch, wirtschaftlich und politisch zur Seite stehen.
Derweil sind Meldungen zum Bürgerkrieg zwischen Sunniten und Schiiten weiter an der Tagesordnung. Ein besonders schlimmer Rückschlag ist, dass soeben der wichtigste Verbündete der USA auf Seiten der Sunni-Minderheit, Stammesfürst Abdul Sattar Abu Rischa, ermordet wurde.
Auch Bush sieht durchaus Probleme im Irak. Die Verantwortung aber schiebt er auf den schiitischen Regierungschef Nuri Al-Maliki ab. Eine neue Irak-Politik jedenfalls ist auch nach der neusten Bush-Rede nicht erkennbar.
Bei den Demokraten stiess Bushs Rede daher auf scharfe Kritik. Der Präsident habe erneut weder einen Plan vorgelegt, wie der Krieg erfolgreich beendet werden könne, noch habe er vernünftige Gründe dafür geliefert, ihn fortzusetzen, sagte der demokratische Senator Jack Reed in einer ebenfalls landesweit übertragenen Gegenrede.
Die demokratische Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, erklärte, Bush habe eine «Weiter So!»-Strategie verkündet, die den Weg bereite für zehn weitere Jahre Krieg. Die Amerikaner hätten schon lang das Vertrauen in seine Führungsqualitäten im Irak-Krieg verloren, «weil seine Rhetorik nie mit der Wirklichkeit vor Ort zusammengepasst hat».
In den nächsten Wochen werden neuerliche scharfe Debatten zur Irak- Politik im Kongress erwartet. Das Parlament muss unter anderem Bushs Kriegsbudget für das kommende Haushaltsjahr billigen. (AP/snx)