Saddam droht mit Hungerstreik

  • Aktualisiert am 14.01.2012

BAGDAD – Alle anderen Boykott-Aktionen waren wirkungslos, jetzt wollen der irakische Ex-Diktator Saddam Hussein und seine Mitangeklagten mit einem Hungerstreik «gegen die Unrechtrechtmässigkeit des Prozesses» protestieren.

Saddam Hussein spricht dem Sondertribunal weiterhin jedes Recht ab, über ihn zu Gericht zu sitzen – und boykottiert den Prozess, wo er nur kann. Nachdem die Weigerung, den Gerichtssaal zu betreten, keinen Erfolg hatte, will der 69-Jährige gemäss «Spiegel Online» zusammen mit seinen Mitangeklagten ab morgen in den Hungerstreik treten.

Diese Aktion sei auch ein Protest gegen von der Staatsanwaltschaft eine erwogene zwangsweise Vorführung Saddams, erklärte heute Chamis al-Aubeidi, ein führender Vertreter seines Verteidigerteams.

Der Saddam-Prozess ist überschattet von einer ganzen Reihe von Eklats. Zuletzt musste die Verhandlung Anfang Februar ohne die Angeklagten fortgesetzt werden, weil Hussein und vier Mitglieder seines Teams vom vorsitzenden Richter Rauf Raschid Abdel-Rahman aus dem Gerichtssaal verwiesen wurden.

Im Prozess gegen Saddam Hussein sollen morgen erstmals frühere Regimemitglieder aussagen, die eine direkte Verantwortung des Exmachthabers für Folter und Massaker an der irakischen Zivilbevölkerung bestätigen könnten.

In dem Verfahren geht es um die Ermordung von fast 150 Schiiten. Sie wurden getötet, nachdem 1982 in der Stadt Dudschail nördlich von Bagdad ein Attentat auf Saddam Hussein fehlgeschlagen war. Sollten die acht Angeklagten verurteilt werden, droht ihnen die Todesstrafe.

Saddams Verteidiger fordern die Ablösung von Richter Rauf Raschid Abdel-Rahman, der erst Ende Januar die Leitung des Prozesses übernommen hatte. Abdel-Rahman stammt aus der kurdischen Stadt Halabja, in der 1988 bei einem Gasangriff durch Saddams Armee 5000 Einwohner, darunter auch angehörige des Richters, ums Leben kamen.- AP

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