Petraeus will seine Boys nicht heimholen

  • Aktualisiert am 02.01.2012
Hillary Clinton und ihre demokratischen Parteigenossen hatten wenig Freude an Petraeus' Forderungen. Der General und US-Botschafter Ryan Crocker (rechts) informierten heute den Senat.- Reuters

WASHINGTON – Der General will sich nicht aus der Verantwortung stehlen: David Petraeus hat vor einem raschen Truppenabbau im Irak gewarnt.

Der US-Oberbefehlshaber im Zweistrom-Land machte seine Forderungen heute klar: Nach dem geplanten Abzug von 30000 US-Soldaten bis Juli solle es eine Pause von mindestens 45 Tagen geben.

Nach dieser «Phase der Konsolidierung und Neueinschätzung» müsse die Lage erneut überprüft werden, sagte Petraeus heute vor dem Streitkräfteausschuss des US-Senats in Washington.

Die Aufstockung der US-Truppenzahl im vergangenen Jahr habe den Irak zwar stabilisiert, die Erfolge seien aber nicht unumkehrbar. «Wenn zu viele Truppen zu schnell abgezogen werden, könnte dies den Fortschritt im Irak gefährden.» Dies würde die Bedrohung des Terrorismus durch El Kaida in der gesamten Region erhöhen, erklärte der US-General.

Verhalten optimistisch

Petraeus zog eine verhalten optimistische Bilanz seiner Strategie, die auf der 2007 erfolgten Verstärkung der US-Truppen um mehrere zehntausend Soldaten beruht. Seit seinem letzten Lagebericht vom September habe sich die Sicherheitslage «bedeutsam, aber ungleichmässig» verbessert, sagte er.

Eine besondere Gefahr für die Lage im Irak geht nach Darstellung von Petraeus und US-Botschafter Ryan Crocker vom Nachbarland Iran aus. Der Iran spiele eine «destruktive Rolle», sagte Petraeus. Teheran finanziere, trainiere, bewaffne und befehle schiitische Milizen im Irak und destabilisiere durch diese «ruchlosen Aktivitäten» die Sicherheit im Irak.

Unzufriedene Demokraten

Demokratische Senatoren reagierten mit scharfer Kritik auf die Empfehlungen von Petraeus. Dies könne eine «Unterbrechung des Truppenrückzugs ohne Ende» bedeuten, sagte der Ausschussvorsitzende Senator Carl Levin.

Die mit Spannung erwartete Anhörung wurde mehrfach durch Demonstranten gestört, die «Bringt die Truppen nach Hause» riefen. Mindestens ein Demonstrant wurde von Sicherheitskräften abgeführt. (SDA/hhs)

McCain auf Petraeus' Seite

Der republikanische Präsidentschaftskandidat, Senator John McCain begrüsste die harte Haltung des Generals. «Anstatt den Irak einem Zustand von Bürgerkrieg, Völkermord und Terror» zu überlassen, müsse man für einen Erfolg des Einsatzes kämpfen.

Clinton fordert «geordneten Truppenrückzug»

Die demokratische US-Präsidentschaftbewerberin Hillary Clinton hat einen «geordneten Truppenrückzug» aus dem Irak gefordert. Den Lagebericht des Irak- Oberkommandierenden David Petraeus bezweifelte sie. «Die gegenwärtige Strategie (der US-Regierung) funktioniert nicht», sagte sie bei der Anhörung vor dem Streitkräfteausschuss des US-Senats. Auch auf der politischen Ebene gebe es keine «wesentlichen Fortschritte» in Bagdad. «Es herrscht noch immer eine unsichere Situation im Irak. Es ist Zeit, mit einem geordneten Rückzug zu beginnen», sagte Clinton. Allerdings räumte sie ein, dass die Entscheidung Militärs und politische Führung vor ein «sehr schwieriges Dilemma» stelle.

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