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Blick.ch: Herr Dr. Stahel, wie charakterisieren Sie die Lage heute im Irak?
Albert A. Stahel: Eine Katastrophe! Die gesundheitliche Versorgung der Menschen reicht nirgends. Die Infrastruktur ist kaputt. Die Menschen haben unermessliches Leid zu erdulden.
US-Präsident George W.Bush nannte zwei Gründe für seinen Krieg: Der Irak besitze Massenvernichtungsmittel und Saddam Hussein habe Kontakte zum Terror-Netz Al Kaida von Osama bin Laden. Unterdessen musste die US-Regierung zugeben: Beides stimmte nicht. Wie ist jetzt das Image des Westens in dieser Region?
Der Krieg ist ein Spiegel der US-Machtpolitik. Die USA wollen Stützpunkte in der Region, und sie wollen den Zugriff aufs Öl. Damit haben die USA ihre Glaubwürdigkeit verloren. Und der Konflikt zwischen dem Westen und dem militanten Islamismus wurde erst richtig angestachelt.
Wo stehen wir heute im Kampf gegen den islamistischen Terror, vor dem Bush den Westen angeblich schützen wollte?
Das ist eine Monster-Lüge! Und diese soll nur dazu dienen, die US-Militärpräsenz in der Region zu rechtfertigen. Natürlich gibts Terroristen. Aber dass sie die Existenz des Westens bedrohen, das ist Propaganda. Auch, um das gigantische US-Militärbudget zu rechtfertigen: mehr als 700 Milliarden US-Dollar dieses Jahr!
Welche Rolle sehen Sie für den Iran? Wird er die Schwäche des Irak ausnutzen?
Statt den Iran zu verteufeln, sollte der Westen dieses Land engagieren für die Stabilisierung der Region. Man sollte mit dem Iran zusammenarbeiten. Damit würde man auch den radikalen Kräften dort den Wind aus den Segeln nehmen.
Herr Dr. Stahel, wo sehen Sie den Irak in fünf Jahren?
Voraussetzung für den Wiederaufbau des Irak ist ein geordneter Rückzug der US-Truppen. An ihrer Stelle müssen UN-Truppen die Sicherheit der Menschen gewährleisten. Wenn es dann den Irakern gelingt, sich zusammenzuraufen, bin ich optimistisch. Aber das können wir ihnen nicht aufzwingen. Bekommen die Iraker ihre Situation nicht in den Griff, könnte das Land auseinanderbrechen. (snx)
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«Die Lage im Irak ist eine Katastrophe!»: Strategie-Experte Albert A.Stahel nimmt kein Blatt vor den Mund. (BLICK/ Phillippe Rossier)