Die Söldner saufen, morden, vertuschen

  • Publiziert: 03.10.2007, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Herbert Bauernebel und Elie Peter

WASHINGTON – Man nennt sie die «Huren des Krieges» – die Söldner im Irak. Ein Kongress-Report prangert jetzt ihr blutiges Handwerk an.

Männer von Blackwater, der grössten Söldner-Firma, knallen am 16. September in Bagdad elf Zivilisten ab. Es ist ein Massaker. Riesiger Aufschrei im Irak. Kleiner Wirbel in den USA. Doch der demokratische Kongress hat jetzt genug von Bushs Schattensoldaten – und zeigt auf, wie schändlich sie operieren.

Der Report ist erschütternd: Die Blackwater-Männer töten im Vollrausch. Sie schiessen wild aus Helis und Fahrzeugen. Meist bleiben sie nicht mal stehen, um sich um Verletzte zu kümmern.

Dabei sollten die Söldner eigentlich schützen und für Sicherheit sorgen! Der Kongress weiss von 195 Schiessereien, in die Blackwater-«Guards» seit 2005 verwickelt waren: In 163 Fällen eröffneten sie das Feuer zuerst – «mit genereller Geringschätzung für das Leben von Irakern».

Auch Söldner anderer Firmen töten. Doch die Rate bei Blackwater liegt doppelt so hoch. 122, fast ein Siebtel der 861 Angestellten, wurden gefeuert. Gründe: Alkohol, Drogen, Aggression, sexuelle Übergriffe.

Das Motto von Blackwater klingt da wie ein Hohn: «Wir unterstützen überall Sicherheit, Frieden, Freiheit und Demokratie.» In den USA vergleicht man die Affäre bereits mit dem Folterskandal im Abu-Ghraib-Gefängnis 2004.

Die irakische Regierung will nach dem September-Massaker Blackwater aus dem Land werfen. US-Präsident George W. Bush (61) interveniert. Denn Blackwater-Boss Erik Prince hat einen guten Draht zu ihm. Auch US-Vizepräsident Dick Cheney hat Kontakte zu Blackwater. Viele Ex-CIA- und Pentagon-Leute sind dort engagiert. So erhält Blackwater lukrative Deals.

Die Kongress-Kritik trifft auch das Aussenministerium von Condoleezza Rice (52) hart: Es habe Blackwater über 1 Milliarde bezahlt und bei der Vertuschung geholfen! Killer-Guards werden aus dem Land geflogen, Opferfamilien mit einigen Tausend Dollar abgespeist.

Jetzt will der Kongress Blackwater zur Rechenschaft ziehen. Gestern wurde Chef Prince nach Washington zitiert. Auch das FBI schaltet sich ein! Es ermittelt gegen Blackwater.

Söldner für die Drecksarbeit

BAGDAD – Für 1000 Dollar pro Tag gehts in den Irak. Rund 50000 Söldner arbeiten im Irak, beschäftigt von über 400 Firmen wie Blackwater. Viele Söldner sind Ex-Elitesoldaten. Sie kommen aus der ganzen Welt: die meisten aus den USA, andere aus Südafrika, Ex-Jugoslawien, Arabien. Laut Schätzungen dürften auch bis drei Dutzend Schweizer im Irak sein! Alles ist streng geheim.Ohne Söldner wäre die US-Armee heillos überfordert. Auch internationale Organisationen und Konzerne engagieren sie. Die Söldner bewachen Firmen, schützen Politiker – und erledigen Drecksgeschäfte für die US-Army wie Foltern und Töten. Die Verhörspezialisten im Folter-Gefängnis Abu Ghraib waren Privatleute. Söldner-Lohn: bis 1000 Dollar pro Tag!Die Vorteile für die US-Regierung:Man macht sich selber die Hände nicht schmutzig.Die Söldner sind offiziell Zivilisten. Tote tauchen in keiner Opferstatistik auf.Sie operieren im rechtsfreien Raum. Wird nach einem Schuldigen gesucht, sind sie längst weg. Söldner sind rechtlich kaum greifbar. Die Armee wäscht ihre Hände in Unschuld.Firmen wie Blackwater bilden in eigenen Camps sogar US-Soldaten aus und lehren sie das Töten.
play Killerorgien im Vollrausch: Der US-Kongress will Bushs Schattensoldaten das Handwerk legen. (Keystone)

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