Bauernopfer oder Folterknecht?

  • Publiziert: 10.01.2005

FORT HOOD (USA) – Die Bilder mit Charles Graner und misshandelten Häftlingen gingen um die Welt. Jetzt wird dem Abu-Ghraib-Folterer der Prozess gemacht.

Nackte Iraker zu menschlichen Pyramiden gestapelt. Ein Mann mit einer Kapuze auf dem Kopf auf einer Kiste. Zähnefletschende Hunde, die verängstigte Häftlinge bedrohen. Die Bilder aus dem Abu-Ghraib Gefängnis bei Bagdad gingen um die Welt und sorgten für Empörung.

Auf zahlreichen Fotos war der Militärpolizist Charles Graner zu sehen. Triumphierend stellt er sich mit den gedemütigten Männern zur Schau. Deswegen steht er vor dem Militärgericht in Fort Hood. Der 36-Jährige ist wegen Körperverletzung, unzüchtiger Handlungen und Pflichtversäumnis angeklagt.

Für seine Verteidiger ist klar: Unteroffizier Charles Graner hat zwar irakische Gefangene in Abu Ghraib misshandelt. Aber er hat dies im Auftrag seiner Vorgesetzten gemacht. Soll er deshalb als Bauernopfer den Kopf hinhalten? Denn auch andere, wegen Missahndlungen angeklagte US-Militärs, wollen nur Befehle ausgeführt haben.

Wenn sieben der zehn Geschworenen – sie haben alle im Irak oder Afghanistan gedient – Graner für schuldig befinden, drohen ihm im schlimmsten Fall bis zu 17 Jahren Gefängnis.

Drei weitere Angehörige aus Graners Kompanie warten auf den Prozess. Darunter auch, die als Folterhexe berühmt gewordenen Lynndie England. Sie hat im Oktober ein Kind zur Welt gebracht. Der Vater ist Charles Graner.

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