16,5 statt 28 Jahre für Folter-Soldatin England

  • Aktualisiert am 09.01.2012

WASHINGTON – Im Verfahren gegen die US-Folterer von Abu Ghraib wird heftig um die Dauer der Haft einer der Hauptangeklagten gefeilscht. Frei nach der Devise «Deal or no Deal».

Was die US-Soldatin Lynndie England wehrlosen Gefangenen im Militärstützpunkt Abu Ghraib im Irak angetan hat, kann sie schlecht verneinen: Die davon gemachten Fotos sind Beweis genug (Blick Online berichtete). Das Verfahren ist denn auch in vollem Gang. Noch droht ihr eine 28 Jahre lange Haftstrafe. Das könnte sich ändern.

Weil die Verhandlung gegen Lynndie England von North Carolina nach Texas verlegt wurde, musste die ganze Anklage fallen gelassen und neu erhoben werden. Zum Glück für die Folter-Soldatin. Denn dabei wurden mehrere Anklagepunkte nicht wieder aufgenommen. Macht 11,5 Jahre weniger Knast für England.

Vielleicht kommt es aber noch besser. Denn noch steht nicht fest, ob es überhaupt zu einem Hauptverfahren kommt. Die Verhandlungen zwischen der Anklage und der Verteidigung sind am Laufen. Gemäss der «Washington Post» sind Englands Rausboxer stark an einer Übereinkunft mit der Anklage interessiert.

Der Deal: Lynndie England könnte sich schuldig bekennen und bekäme dafür im Gegenzug eine niedrigere Strafe, als wenn ihr der Prozess gemacht würde.

Mit «Palästinensischem Hängen» gefoltert

SAN DIEGO – Strahlend und mit erhobenem Daumen hatte sich Charles Graner, der Abu-Ghraib-Quäler und Vater von Lynndie Englands Kind, neben der Leiche von Manadel al-Dschamadi ablichten lassen. Jetzt ist klar, wie der gefangene Iraker ums Leben kam: Seine amerikanischen Peiniger hatten ihm beim «Palästinensischen Hängen» die Arme überdehnt. – Bei dieser Methode werden die Gefangenen mit auf dem Rücken gefesselten Händen aufgehängt. Sie ist international als Folter eingestuft.

Als er den Gefangenen al-Dschamadi gesehen hätte, sei er überrascht gewesen, «dass seine Arme nicht einfach aus den Höhlen herausbrachen», sagte US-Militäraufseher Jeffrey Frost aus. Und: Als sie al-Dschamadi losgebunden hätten, sei Blut aus seinem Mund gesprudelt, «als ob ein Wasserhahn aufgedreht worden wäre».
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